14. Kapitel
Wahrpropheten
und Lügenpropheten
Für
den Hörer ist mit dem Hinweis auf diese objektive Lage das Problem keineswegs
gelöst. Für ihn stellt es vielmehr eine Entscheidung auf Leben und Tod dar:
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ob
er subjektiv den falschen von dem echten Propheten zu unterscheiden vermag (Jer
23,16.26). Vielfach weisen sich zwar die von Gott Berufenen durch besondere
Zeichen aus — davon wird noch die Rede sein. Aber auch die Zeichen können mißverstanden
werden. So begleitet die Frage, wie die rechte von der falschen Verkündigung
des göttlichen Wortes unterschieden werden kann, die Geschichte der
alttestamentlichen Prophetie von Anfang an. Als Chananja gegen den Propheten
Jeremias auftrat, dessen Gerichtspredigt verwarf und statt dessen dem Volke nach
dem Munde redete, konnte Jeremias zunächst nur erwidern: »Amen, Jahwe tue
also! Jahwe bestätige dein Wort, das du geweissagt hast« (Jer 28,6).
Diese
Ironie erwies sich durch den Fortgang der Ereignisse als berechtigt, »Die
Seher, die vor mir und dir, von alters her, gelebt, weissagten von vielen Ländern,
großen Reichen, von Krieg und Not und Pest. Doch der Prophet, der Heil
weissagt, kann erst als Seher sich ausweisen, als ein in Wirklichkeit vom Herrn
Gesandter, wenn sich das Seherwort erfüllt« (Jer 28,8). Der falsche Prophet
sagt aus, was er in seinen eigenen Träumen erdichtet hat.
Den Lügenpropheten
erkennt man daran, daß er die Gemeinde von Jahwe weglockt und zu anderen Göttern
führen will. Letztlich wird erst die Zukunft lehren, ob eine Lügenprophetie
oder eine Wahrprophetie vorliegt. »Wenn der Prophet im Namen Jahwes redet und
es wird nichts daraus, und es kommt nichts, so ist das ein Wort, das Jahwe nicht
geredet hat. Der Prophet hat es aus Vermessenheit geredet« (Dtn 18,22).
Die
gleiche Schwierigkeit besteht auch im Neuen Testament. Auch hier sehen die
falschen Propheten den Boten Christi zum Verwechseln ähnlich. Selbst Satan kann
sich in einen Engel des Lichtes verkleiden
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(2
Kor 11,14). Wer Indes aus der Wahrheit ist und die Wahrheit tut, wer mit geläutertem
Herzen auf das Wort hört, der vermag die Stimmen zu unterscheiden. Die Schafe
werden, wie es bei Johannes heißt, mit untrüglicher Sicherheit den Ruf des
guten Hirten erkennen und sich allein an ihn halten, dem Fremden aber nicht
folgen (z. B. Joh 10,3 ff, 27 ff; 18,37; siehe auch 2 Kor 11,14; Gal 1,6-9).
Nach der Apostelgeschichte ist es das Wort Gottes selbst, welches zu den Kindern
Israels gesandt wurde (Apg 10,36). Das Wort, welches Jesus selber ist, ist im
Wort der Apostel verkündet worden (Apg 15,35; 18,11). Es ist ein Wort, das Gott
verkündet, das aber zugleich von Jesus Christus verkündet wird. Das Wort
Gottes geht durch den Mund der Apostel (Apg 15,7). Durch diese erreicht es die
Menschen (Apg 13,26), die Juden und die Heiden.
Man
hat gelegentlich den Versuch gemacht, aus der Einheit von Gotteswort und
Menschenwort das Wort Gottes durch philologisch-historische Untersuchungen
herauszudestillieren. Eine langwierige Forschung hat jedoch für das Alte
Testament ergeben, daß eine völlig überzeugende literarische Scheidung von
Jahweworten und Prophetenworten nicht möglich ist. Die Prophetenworte sind
vielmehr zugleich ganz göttlich und ganz menschlich. Das Wort Gottes ist gegenwärtig
im Worte des Menschen. Es durchwirkt dieses als geistige Kraft. Der Prophet
redet mit Jahwes Worten (Num 24,13; 1 Sam 15,16; Jer 23.22; Ez 3,4). Er kündet
nur das an, was Jahwe sagt und befiehlt (z. B. Num 24,13; 1 Kg22,14;Dtn 18,18).
Die
alttestamentlichen Propheten führten das Jahwewort immer wieder ein mit der
Formel: »So spricht Jahwe«. Sie beendigen ihr Gotteswort auch in der Regel mit
dem Ausdruck: »Spruch Jahwes«. Ähnliches, nämlich die Untrennbarkeit von göttlichem
und
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menschlichem
Wort, gilt vom Worte Gottes im Neuen Testament. Das Wort, das Jesus selbst ist,
wird proklamiert und allen Menschen zugesprochen in der Gestalt der Worte von
Menschen, welche die Verkündiger und die Zeugen Jesu bilden. Es ist die
Heilsbotschaft von Jesus, von seinem Heilstode und von seiner Auferstehung. Aber
durch sie spricht der im Geiste selbst präsente, erhöhte Herr. So ist das
Zeugnis der Apostel ein Selbstzeugnis Christi. Hierüber wird später ausführlich
gehandelt werden.