VORBEMERKUNG
1. Beachtung der menschlichen Anliegen in der Theologie
Wenn die Theologie der heutigen
Situation gerecht werden will, muß sie die hierfür entscheidenden
Gesichtspunkte beachten. Sie muß dies allerdings nicht deshalb tun, weil es
opportun ist, sondern weil es ihrem Wesen entspricht, daß sie den Menschen
erreicht, in welcher geschichtlichen Verfassung dieser immer ist. Die Theologie
soll anthropologisch sein, ohne in der Anthropologie aufzugehen. Dieser Aspekt läßt
sich auf Grund unserer Analysen aufgliedern in die Momente des Ganzheitlichen,
des Gemeinschaftlichen, des Existential-Existentiellen, des Dynamischen und des
Eschatologischen.
a) Ganzheitlichkeit
Was das Ganzheitliche und das
Gemeinschaftliche betrifft, so bezieht es sich darauf, daß der christliche
Glaube die Vollendung des ganzen Menschen (nicht nur der Seele) und der
Menschheit, ja die Vollendung des einzelnen ganzen Menschen innerhalb der
Vollendung des Menschheitsganzen im Auge hat. Gottes Botschaft richtet sich an
den einzelnen, insofern er Glied der Gemeinschaft ist. Das Christentum kennt
nicht den isolierten Einzelnen, sondern nur den vergemeinschafteten Einzelnen,
welcher gerade dadurch, daß er Glied der Gemeinschaft ist, auch zugleich seine
einmalige unverwechselbare und unverlierbare Individualität besitzt. Er
erreicht sein eigenes individuelles Selbst nur als Glied des Ganzen, welches
sich dem un-
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sagbaren Gottesgeheimnis entgegenbewegt, weil es von ihm zur
Teilnahme an dessen Leben berufen ist.
b) Das Existential-Existentielle
Was das Existential-Existentielle
betrifft, so soll der christliche Glaube als Antwort auf die göttliche
Offenbarung in seinem Bezug auf den Menschen, in seiner den Menschen formenden
und erfüllenden Sinnhaftigkeit und Kraft gezeigt werden. Was das Dynamische
betrifft, so soll die Offenbarung in der ihr selbst eigenen Geschichte und in
der Geschichte ihrer Auswirkung, in ihrem Tatcharakter dargestellt werden. Das
Gegenteil wäre eine bloße statische Wesensschau.
c) Das
Eschatologische
Der
Hauptton wird auf dem Eschatologischen liegen. Alle Einzelaussagen des Werkes
werden unter dem eschatologischen Blick stehen. Es wird sich also zeigen, daß
Gott dem Menschen eine absolute Zukunft zugesprochen hat. Diese wird in der
unverhüllten Selbstmitteilung Gottes und in der darin begründeten »Vergöttlichung«
der Schöpfung bestehen und ihrerseits wiederum nicht den Charakter des
Statischen, sondern des Dynamischen haben, insofern sich die Selbstmitteilung
Gottes ohne Ende ständig intensiviert. Was immer Gott innerhalb der Geschichte
im Dialog mit dem Menschen vollbracht hat und vollbringt, dient der Zukunft und
hat in ihr seinen Sinn. Die Zukunft ist der Grund für die Vergangenheit. So
steht Gott vor dem Menschen als der Rufende und der Verheißende.
Das
Christentum ist daher ein Weg nach vorwärts und nicht nach rückwärts. Der
Glaube muß auch zu-
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rückblicken
auf schon Gegebenes und Geschehenes. Wenn er zurückschallt, nämlich auf die
der Zukunft dienenden Heilstaten Gottes in der Vergangenheit, so geschieht dies,
damit er von dem Boden aus, welcher gelegt ist, um so kühner und
zuversichtlicher der Zukunft entgegenstreben kann. Die Vergangenheit bietet die
Gewähr, daß der Mensch nicht einer Utopie oder Ideologie nachjagt, wenn er der
absoluten Zukunft, d. h. der unmittelbaren Begegnung mit dem sich mitteilenden
Geheimnis, welches wir Gott heißen, entgegentrachtet, sondern realistisch denkt
und wirkt. Das Entscheidende ist das Wohin, nicht das Woher. Aber das Woher
garantiert das Wohin.
Durch die existentielle und
eschatologische Sicht wird die Wesensschau nicht ausgeschaltet. Das
Real-Ontologische darf in der katholischen Theologie auf keinen Fall ausgelassen
werden. Eine Theologie, die dies vergäße, wäre eine verkümmerte Theologie.
Es tritt jedoch an den ihm gebührenden Ort. Es wird in das Existentielle
und Eschatologische eingeordnet. Diesem dient es zur Erhellung und
Interpretation, wie es selbst auch umgekehrt wiederum seinen Sinn vom
Eschatologischen empfängt. Das Heil kommt nicht von der Ontologie, sondern aus
der Geschichte. Innerhalb dieser ist jedoch die Seinsaussage unentbehrlich. Es
gibt keine wahre Theologie ohne Ontologie. Auch wenn in der Schrift das »Funktionale«,
das Tun Gottes, das Tun Christi im Vordergrund steht, so drängt sich dennoch
die ontologische Frage, die Frage nach dem Sein auf. Der menschliche Geist wird
von seiner eigenen Struktur zu der Frage geführt, wer der uns Heil schaffende
Gott ist. Die Frage hat auch einen objektiven Sinn, insofern in dem Tun Gottes
Gott sich selbst darstellt. Nur wer dem Tun Gottes den Realitätscharakter abspräche,
wer also das Tun Gottes nur
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als Objektivierung des menschlichen
Geistes verstünde, könnte und müßte die Seinsfrage unterlassen.