2.
Kapitel
Sinn des Alten
Testamentes
Zunächst
gab es keine Schrift bezüglich Jesu Christi. Das heißt nicht, daß keine
Schrifttheologie hinsichtlich seiner Person getrieben wurde. Es handelte sich
jedoch dabei um die Schriften des Alten Testaments. Diese wurden zitiert, um mit
ihrer Hilfe einen Schriftbeweis für Christus zu führen. Die alttestamentliche
Selbsterschließung Gottes war auf Geheiß Gottes aufgeschrieben worden (Ex
32,16; Deuteronomium). Die schriftliche Fixierung sollte die Erinnerung an die
Offenbarungsereignisse wachhalten und das an das Volk Israel ergangene Wort
Gottes immer neu aktualisieren, damit dieses hierdurch einerseits die Bestätigung
seiner Existenz und den Aufruf zu deren rechtem Vollzug, andererseits aber in
den Zeiten des Abfalls ein Zeugnis gegen sich selbst erfahre (Dtn 26,10 ff). Aus
den alttestamentlichen Schriften wurde im apostolischen Zeitalter eine
Schrifttheologie entwickelt, nach welcher Jesus der verheißene Messias ist
(vgl. Apg 2,14-36; 2 Kor 3,6-18; 1 Kor 15,1-5; Apg 13,28-41).
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Der
Sinn des Alten Testamentes blieb bis Christus hin offen. Erst durch ihn wurde
deutlich, was das ganze Alte Testament wollte. Er selbst hat den endgültigen
Sinn der alttestamentlichen Schriften erschlossen. Die ersten Christuszeugen
haben diese seine Absicht auf Grund der Selbstaussagen Jesu theologisch
dargestellt. Die Jesusgläubigen haben von ihrem neuen Glaubensstandpunkt aus,
der den jüdischen Altgläubigen revolutionär und zerstörerisch vorkam, mit größter
Entschiedenheit in Ausarbeitung und Verwendung einer besonderen Methode die »Schriften«
auf Jesus hin ausgelegt. Was sich so deuten ließ, hielt man für eine in Jesus
erfüllte Stufe göttlicher Selbsterschließung. Das übrige hielt man im Lichte
des Christusglaubens für gleichgültig oder nebensächlich oder abgetan.
Das
Zweite Vatikanische Konzil hat zu dem Sinn der alttestamentlichen Schriften
folgendes gesagt: »Der liebende Gott, der um das Heil des ganzen
Menschengeschlechtes besorgt war, bereitete es vor, indem er sich nach seinem
besonderen Plan ein Volk erwählte, um ihm Verheißungen anzuvertrauen. Er schloß
mit Abraham (vgl. Gen 15,8) und durch Mose mit dem Volke Israel (vgl. Ex 24,8)
einen Bund. Dann hat er sich dem Volke, das er sich erworben hatte durch Wort
und Tat als einziger, wahrer und lebendiger Gott so geoffenbart, daß Israel
Gottes Wege mit den Menschen an sich erfuhr, daß es sie durch Gottes Wort aus
der Propheten Mund allmählich voller und klarer erkannte und sie unter den Völkern
mehr und mehr sichtbar machte (vgl. Ps 2,28-29; 95,1-3; Jes 2,1-4; Jer 3,17).
Die Geschichte des Heiles liegt, von heiligen Verfassern vorausverkündet,
berichtet und gedeutet, als wahres Wort Gottes vor in den Büchern des Alten
Bundes; darum behalten diese von Gott eingegebenen
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Schriften
ihren unvergänglichen Wert; Alles nämlich, was geschrieben steht, ist zu
unserer Unterweisung geschrieben, damit wir durch die Geduld und den Trost der
Schriften Hoffnung haben (Röm 15,4)«.