3. ABSCHNITT

Schöpfungsoffenbarung und

prophetische (übernatürliche) Offenbarung

In der Mitte der göttlichen Offenbarung steht das Christusereignis. Das heißt: Person, Wort und Tun Jesu Christi. Auf Jesus Christus bewegt sich die ganze Welt seit ihrer Schöpfung zu. Von ihm wird sie seit seinem Tode und seiner Auferstehung bis zur letzten Vollendung bestimmt. So kann man sagen, daß schon durch die Hervorbringung der nichtgöttlichen Wirklichkeit in einer bestimmten Weise die Offenbarungstätigkeit begonnen hat (siehe Band 3).

Die Schöpfungstat Gottes ist der Ausgang und der Anfang, ist die Voraussetzung für die Christusoffenbarung, die ihrerseits wiederum unzählige Jahrhunderte hindurch eine noch unmittelbarere Vorbereitung empfängt, durch die Berufung Abrahams und durch die im Alten Testament vielfach ausgesprochene Verheißung eines Retters, eines Helfers, des Messias. Das erste Vatikanische Konzil hat diesen Beginn der göttlichen Selbsterschließung in dem zweiten Kapitel der Konstitution »Filius dei« mit folgenden Worten ausgesprochen: »Die heilige Mutter Kirche hält daran fest und lehrt, daß Gott, Ausgang, Grund und Ziel aller Dinge, mit dem natürlichen Licht der menschlichen Vernunft aus der Schöpfung mit Sicherheit erkannt werden kann, denn das Unsichtbare an Gott ist seit der Erschaffung der Welt durch das, was er hervorgebracht hat, schaubar geworden.« Dieser letzte Satz ist ein Zitat aus dem Römerbrief (1,20). Dann fährt das Konzil weiter: »Es hat jedoch der göttlichen Weisheit und Güte gefallen, auf einem anderen Weg, nämlich

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auf einem übernatürlichen Weg sich selbst und die ewigen Ratschlüsse seines Willens der menschlichen Geschichte zu offenbaren.« Das Konzil zitiert hierfür die Stelle Hebr 1,1. Das Zweite Vatikanische Konzil hat diesen Text mit einer nicht unwichtigen Variante aufgenommen, insofern es in einer sehr klaren Weise Gott selbst als das Subjekt seiner Offenbarung erklärt und außerdem betont, daß Gott sich selbst geoffenbart hat, aber hinzufügt, daß er das Geheimnis seines Willens kundgetan hat, des Willens, daß die Menschen durch Christus, das fleischgewordene Wort, im Heiligen Geist Zugang zum Vater haben und der göttlichen Natur teilhaftig werden (Konstitution über die göttliche Offenbarung, Nr. 2). Die Offenbarung durch die Schöpfung war nicht beschränkt auf den Beginn der Existenz einer nichtgöttlichen Wirklichkeit, sie dauert vielmehr bis heute an; denn die Welt ist, wie Paulus im Römerbrief sagt, und wie es schon im alttestamentlichen Weisheitsbuch heißt, für immer eine Selbstkundgebung Gottes. Der Mensch, der die Welt guten Willens und mit lauterem Herzen betrachtet, wird durch eine solche Weltschau die Erkenntnis Gottes gewinnen, wenn er sie nicht auf einem anderen Wege zu gewinnen vermag. Die Welt ist, wie die mittelalterlichen Theologen, namentlich Bonaventura, mehrfach betonen, ein Buch, in welchem die Kunde von Gott aufgeschrieben ist und gelesen werden kann, mag diese Kunde durch die Sünde auch entstellt worden sein. Aber Gott hat darüber hinaus schon zu Beginn der menschlichen Existenz eine andere, auf Christus hinführende Offenbarung gegeben. Er hat nämlich den Menschen zu seinem Bild und Gleichnis gemacht oder vielmehr schon als Bild und Gleichnis geschaffen. Mag dieses durch die Sünde auch geändert worden sein, so blieb der Mensch dennoch immerfort

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Bild und Gleichnis Gottes. Durch Christus konnte daher diese Gleichnishaftigkeit und Bildhaftigkeit wieder hergestellt werden, ohne daß dem Menschen eine ihm fremde Realität aufgezwungen worden wäre. Wir werden gerade auf diese Situation des Menschen in einem späteren Zusammenhang ausführlich zurückkommen müssen. Wichtig ist vor allem für das Verständnis des Anfangs, daß Gott nach dem Sündenfall den Menschen wieder neue Hoffnung gegeben hat, indem er einen Erlöser versprach. Er hat auch ständig für das Menschengeschlecht immer wieder Sorge getragen, daß es unter der Wucht der Sünde nicht verzweifelte. Insbesondere ist von Bedeutung die Berufung Abrahams (Gen 12,2-3). Ihn hat Gott berufen, daß er der Stammvater eines Bundes zwischen den Menschen und Gott werde, daß er der Ahnherr eines großen, zu Gott gehörenden Menschengeschlechtes werde und daß von diesem Menschengeschlechte aus die ganze übrige Menschheit wieder zu Gott zurückfinde. .

Hier begegnet uns der Unterschied zwischen der universalen Offenbarung Gottes und der partiellen bzw. partikularen. Die partielle Gottesoffenbarung beginnt als universale, diese verdichtet sich zur partiellen, die ihrerseits wieder universale Wirkung erlangen soll.

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