3. Kapitel

Die Strukturen und die Gestalten

des Wortes im allgemeinen

(die Worthaftigkeit des Menschen)

Bevor die Funktion des Wortes Gottes für die göttliche Selbsterschließung analysiert wird, müssen zwei Voraussetzungen geklärt werden. Die eine betrifft die Worthaftigkeit des Menschen und die Worthaftigkeit Gottes. Die andere betrifft das Verhältnis von Hören und Schauen. Zunächst sei an die fundamentale Tat-

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sache erinnert, daß die Worthaftigkeit den Menschen als Menschen konstituiert und offenbart. Zunächst ist sie eine bloße Anlage und muß wie jede Anlage gepflegt, geübt und realisiert werden. Wenn ein Mensch sich in das Wort und in das Gespräch nicht einübt, bleibt er hinter dem wahrhaft Menschlichen zurück. Diese Einübung ist primär eine Übung des Geistes und des Herzens und erst sekundär eine Einübung im Ausdruck. Der Worthaftigkeit und der Wortfähigkeit ist die Hörfähigkeit zugeordnet. Auch sie ist zunächst eine Anlage und bedarf der Einübung. Das echte Wort formt sich zuerst im Inneren des Menschen. Das gesprochene Wort ist dessen Verleiblichung, eine Inkarnation des inneren Wortes, das der Mensch zu sich selbst spricht, in welchem er also ein Selbstgespräch führt. Nur wenn der Mensch die Mühe des inneren Sprechens auf sich nimmt, d. h. die Mühe des Denkens und Liebens, hat das lautgewordene Wort geistigen und seelischen Gehalt (Augustinus).

Zu den Strukturelementen des Wortes gehört wie der Ausgang aus dem Inneren des Sprechenden die Ankunft beim Hörenden, und zwar nicht nur in seinem Ohr, sondern in seinem Geiste bzw. in seinem Herzen. Die Ankunft im Hörenden ist für das Wort ebenso konstitutiv wie der Ausgang vom Redenden. Reden und Hören bilden ein Sinnganzes. Derjenige, welcher das Wort spricht, und derjenige, welcher das Wort entgegennimmt, bilden auch dann eine Einheit, wenn der Hörende das im Wort Gesagte ablehnt.

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