11.
ABSCHNITT
Die
Heilige Schrift
1. Kapitel
Der
Begriff
Daß
es heilige Bücher gibt, ist nicht eine Sondererscheinung im Christentum.
Heilige Bücher sind vielmehr auch ein existentielles und konstitutives Element
in den großen Weltreligionen. Überall dort, wo eine Religion prophetischen
Charakter hat, treten sie in Erscheinung. Wenn man die Weltreligionen als einen
allgemeinen Heilsweg versteht, indem sich Gottes allgemeiner Heilswille
objektiviert, darf man annehmen, daß auch in den heiligen Büchern dieser
Religionen sich in gewissem Maße Gottes gnadenhafter Heilswille äußert, auch
wenn die Wahrheit nicht nur in menschliche Schwächen, sondern in Irrtümer und
Entstellungen eingebettet ist.
Daß
es in der zweiten Hälfte und gegen Ende des ersten Jahrhunderts zu jenen
biblischen Schriften kam, die wir als die Heilige Schrift des Neuen Testamentes
bezeichnen, hat seinen Grund in der zeitlichen Entfernung von den Urzeugen Jesu
Christi und in der Entwicklung der Gemeinden. Je weiter die Zeiten voranrückten,
um so mehr spürte man das Bedürfnis, die Botschaft von Jesus, von seinem Reden
und seinem Tun schriftlich zu fixieren, um so das Überlieferte fest-
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zuhalten
und immer wieder zu dem Geschriebenen zurückkehren zu können. Außerdem
erhoben sich in den christlichen Gemeinden zahlreiche Fragen, die das
Christusereignis, das Glaubensleben, das Ethos, das Verhältnis zu den
Nichtchristen betrafen und Antworten verlangten.