15. Kapitel

Das Wort als Tat und als Rede

 

Die Urkirche verwendete für die Verkündigung der Heilsbotschaft von dem gekreuzigten und auferstandenen Christus zunächst die Sprache und die Ausdrücke, welche sich in der jüdischen Synagoge und der hellenistischen Welt gebildet hatten, um den Hörern zu sagen, daß Gott durch Christus ein für allemal zur Welt gesprochen hat. Daß in solchen von Menschen ausgesagten und von Menschen vernommenen Worten die unmittelbare Anrede Gottes ergeht, kann erst dann erkannt werden, wenn deren verwandelnde und umstimmende Kraft erfahren wird. Denen, die sich dem Worte verschließen, bleibt das Evangelium verhüllt. Denn es unterliegt nicht den Maßstäben des alltäglichen Lebens. Diejenigen aber, die das verkündigte Wort gläubig aufnehmen, erfahren darin zugleich die Aufrichtigkeit und Verläßlichkeit des Boten,

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der das Wort nicht arglistig verfälscht (2 Kor 4,2 f). Wenn der Prediger gegen den böswilligen Vorwurf, daß er sein eigenes Wort als Gottes Wort ausgebe und damit die Wahrheit verhülle, nicht geschützt ist, so nimmt er an der Knechtsgestalt Jesu Christi, des personhaften Wortes, selbst teil. Dann wird dessen Wort wirksam: »Wer aber euch verachtet, der verachtet mich; wer aber mich verachtet, der verachtet den, der mich gesandt hat« (Lk 10,16). Paulus vermag als Legitimation für seine Verkündigung nur die Sendung durch Christus anzuführen (Röm 10,14 f). Wenn dieser Apostel gelegentlich von »meinem« Evangelium spricht, so meint er doch nicht von ihm selbst erfundene Ideologien, sondern die Heilsbotschaft, die ihm aufgetragen ist (Rom 10,17; 1 Kor 11,23). Er versteht seine eigene Predigt als eine Proklamation Jesu Christi und seines Heilswerkes, d. h. die Predigt ist selbst eschatologisches Geschehen.

Nach dem Johannes-Evangelium verbinden sich das Zeugnis Jesu und das Zeugnis der Jesuszeugen zu einer unlöslichen Einheit. Jesus bezeugt als Gottgesandter, der von oben kommt, was er beim Vater gesehen und gehört hat (Joh 3,32). Sein Zeugnis vermittelt den Glaubenden Teilhabe an diesem Sehen und Hören, So können sie mit Jesus als dem Offenbarer und durch ihn Zeugen sein, aber so, daß in ihrem eigenen Zeugnis der Offenbarer selber spricht. Dies wird noch deutlicher, wenn wir die johanneische These hinzunehmen, daß der von Jesus gesandte Geist das Christuszeugnis und das Christusgeschehen im Worte der Christuszeugen gegenwärtig setzt (siehe für diese Darstellung besonders L. Scheffczyk, Von der Heilsmacht des Wortes, München 1966. H. Krings, H. Schlier, H. Volk, Wort, in: H. Fries, Handbuch theol. Grundbegriffe, H, München 1963, 835-876. E. Lohse,

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Deus dixit, in: Evangelische Theologie 25, 1965, 567-585. Fr. Wetter, Das Sprechen Gottes in der Verkündigung der Kirche, in: Trierer theol. Ztschr. 76, 1967, 342-356. M. Schmaus, Wahrheit als Heilsbegegnung, 1964».

 

 

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