12. Kapitel
Biblisches
Beispiel
Als
ein besonders aufschlußreiches Beispiel sei die Berufung des Propheten Jeremias
angeführt. Im ersten Kapitel heißt es (Jer 1,1-101: »Worte des Jeremias, des
Sohnes des Hilkia aus dem Priestergeschlechte zu Anatot im Lande Benjamin: An
ihn ist die Weisung des Herrn zur Zeit des Königs Josia von Juda, des Sohnes
Amons, im 13. Jahr seiner Königsherrschaft erfolgt.
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Dann
erging sie unter dem König Jojakim von Juda, dem Sohne des Josia, bis zum
Schlusse des elften Jahres des Königs Zidkia von Juda, des Josiasohnes, als die
Verschleppung der Bewohner Jerusalems im fünften Monat erfolgte.
Des
Herrn Wort erging an mich: Noch ehe ich dich gebildet im Mutterleib, habe ich
dich ausersehen, ehe du aus dem Mutterschoße kamst, habe ich dich geweiht, dich
zum Völkerpropheten bestimmt.
Ich
antwortete: Ach, Herr und Gebieter, ich bin doch der Sprache nicht mächtig, ich
bin noch zu jung!
Doch
der Herr entgegnete mir: Sage nicht: Ich bin zu jung; gehen sollst du, wohin
immer ich dich sende, was immer ich dir befehle, das sollst du reden. Fürchte
dich vor ihnen nicht, denn ich bin bei dir zu deiner Rettung. — Spruch des
Herrn!
Der
Herr aber streckte seine Hand aus und berührte damit meinen Mund. Er sprach zu
mir: Ja, meine Worte lege ich in deinen Mund!
Schau,
ich gebe dir heute die Macht über Völker und Reiche, um aus- und einzureißen,
zu vernichten und in Trümmer zu legen, aufzubauen und einzupflanzenl«
Man
kann auch auf viele andere Stellen verweisen, nach denen Gott sein eigenes Wort
den Propheten in den Mund legt (z. B. Num 22,38; 23,5.12.16; Dtn 18,18). Gott
selbst läßt den Propheten hören und sehen (Jes 5,9; 22,14; Ex 9,1-5). Er öffnet
das Ohr des Propheten, so daß dieser die Worte Jahwes sich zu Herzen nehmen
kann (Ez 3,10.17; Dt-Jes 50,4 f). Er selbst öffnet den Mund des Propheten (Ez
3,17; 33,22). Der Prophet verleibt sich die Worte Gottes geradezu ein und gerät
dabei in die Gewalt des Wortes und dadurch in die Hand Jahwes.
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So
heißt es bei Ezechiel (2,7-3,4); »Du sollst meine Worte zu ihnen reden, mögen
sie hören oder es bleiben lassen. Denn ein Haus der Widerspenstigkeit sind sie.
Du, Menschensohn, höre, was ich zu dir rede. Sei nicht aufsässig wie das Haus
der Widerspenstigkeit! Tue deinen Mund auf und iß, was ich dir gebe.
Ich
schaute und sah eine Hand gegen mich ausgestreckt, und darin war eine Buchrolle.
Er
breitete sie vor meinen Augen aus, und sie war auf der Vorder- und Rückseite
beschrieben; verzeichnet standen darauf Leichenklage, Seufzer und Wehrufe. Er
sprach zu mir: Menschensohn, was du vor dir hast, iß; verzehre diese Buchrolle
da; dann mache dich auf und rede zum Haus Israeli
Da
tat ich meinen Mund auf, und er reichte mir jene Buchrolle, daß ich sie esse.
Er gab mir die Weisung: Menschensohn, lasse deinen Leib essen, und erfülle dein
Inneres mit dieser Buchrolle, die ich dir reiche! Ich aß sie auf, und sie ward
in meinem Munde süß wie Honig.
Dann
äußerte er sich zu mir: Menschensohn, wohlan, gehe zum Haus Israel und rede
mit meinen Worten zu ihnen.«
Ein
instruktives Beispiel für die Dynamik des Wortes Gottes sei aus dem Propheten
Amos angeführt (3,8): »Der Löwe hat gebrüllt, wer sollte sich nicht fürchten?
Jahwe hat geredet, wer müßte nicht verkündigen?« (Man vergleiche weiter etwa
Num 5,22 ff.; 1 Kg 18,46; Is 8,11; Jer 15,17; 20,7; Ez 33,22).
Da
Gott das Wort in das Ohr und in den Mund des Propheten gibt, spricht der Prophet
in der Tat Gottes Wort. Er ist Gottes Mund (Jer 15,19; 42,97). Es ist aber auf
der anderen Seite nicht zu übersehen, daß Gottes Wort nur laut wird im
Menschenwort.
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