3.
Antignostik
Charakteristisch ist ein Text aus dem
Dialog Justins mit dem Juden Tryphon, Kap. 80, 4: »Wenn ihr zusammenkommen
solltet mit solchen, welche sich Christen nennen und behaupten, es gäbe keine
Auferstehung der Toten, sondern ihre Seelen würden schon beim Tode in den
Himmel aufgenommen werden, dann haltet sie nicht für Christen.« Dieser Text
wendet sich offensichtlich gegen den Gnostizismus, eine Lehre, welche den Leib
für den Sitz des Bösen hält und den Tod daher als eine Befreiung aus einem
Kerker versteht. Eine solche rein spirituelle »Auferstehungslehre«, die den
Leib völlig hinter sich und in alle Zukunft die Seele nicht mehr mit ihm
verbunden sein lässt, verstößt gegen ein Grundprinzip des Christentums.
Eirenaios von Lyon ist der Meinung, dass
die Unsterblichkeit der Seele im Willen Gottes wurzelt und durch die Gegenwart
des Geistes verbürgt ist. Sie bestehe in der heilshaften Begegnung mit Gott,
nicht einfach in der Fortexistenz über den Tod hinaus. Im übrigen gibt gerade
Eirenaios (Gegen die Häresien, 3ff) ein ausführliches polemisches Zeugnis
gegen den Gnostizismus. Der Sinn seiner Ausführungen liegt darin, die
Unsterblichkeit der »Seele« nicht als die einzige oder als die Hauptform des
menschlichen Fortlebens anzuerkennen. Diese ist vielmehr die Auferweckung
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von den Toten. Deren massive Schilderung
ist die literarische Art, in der er den Gnostizismus bekämpft. Gerade die
Auferweckung von den Toten ist das spezifische Christliche, das christliche »proprium«,
wie man sagt.
»Einige aber von
denen, die da für rechtgläubig gelten, überschreiten die Ordnung im
Fortschritt der Gerechten und verkennen die Wege, auf die uns Gott zur
Unverweslichkeit führt, indem sie bei sich häretisch empfinden. Denn die Häretiker
verachten das Geschöpf Gottes und leugnen das Heil ihres Fleisches, verachten
aber auch die Verheißung Gottes und erheben sich in ihrem Sinn über Gott,
und behaupten, gleich nach dem Tode über die Himmel und den Demiurgen zu
steigen und zu ihrer Mutter oder dem von ihnen erdichteten Vater zu gehen. Die
also die ganze Auferstehung verwerfen und, so viel an ihnen liegt, aufheben, die
wollen natürlich auch von einer Ordnung in der Auferstehung nichts wissen,
noch einsehen, dass, wenn dem so wäre, wie sie sagen, auch der Herr, an den zu
glauben sie vorgeben, nicht am dritten Tage erst auferstanden wäre. Wäre er
dann, am Kreuze verschieden, nicht sogleich emporgestiegen, den Leib der Erde
zurücklassend? ...
Wenn also der Herr das Gesetz der Toten
beobachtet hat, um der Erstgeborene von den Verstorbenen zu werden, und bis
zum dritten Tage in den Tiefen der Erde sich aufhielt, dann aber im Fleische
auferstand, um den Jüngern die Male der Nägel zu zeigen, ehe er zum Vater
aufstieg, dann sind die widerlegt, die da sagen, die Unterwelt, das sei diese
irdische Welt, und dieser ihr unterer Mensch lasse hier seinen Leib zurück, um
an den überhimmlischen Ort emporzusteigen. Wenn nämlich der Herr ,mitten im
Todesschatten hinging', wo die Seelen der Verstorbenen waren, dann aber
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leiblich auferstand und nach der
Auferstehung emporgehoben wurde, dann werden offenbar auch die Seelen seiner
Jünger, deretwegen der Herr dies getan hat, an jenen unsichtbaren Ort abgehen,
der ihnen von Gott bestimmt ist, und dort bis zur Auferstehung verbleiben,
ihre Auferstehung erwartend. Dann aber werden sie, ihre Leiber wieder
empfangen und vollkommen, d.h. .leiblich' auferstehend, wie auch der Herr
auferstanden ist, zur Anschauung Gottes gelangen. Wie also unser Meister nicht
sogleich wegging, sondern die vom Vater bestimmte Zeit seiner Auferstehung
erwartete, auferstand und emporgehoben wurde, so müssen auch wir erst die vom
Vater für unsere Auferstehung bestimmte Zeit, wie es durch die Propheten verkündet
ist, erwarten, dann auferstehen und emporgehoben werden, so viele immer der Herr
hierfür als würdig erachtet hat ...
So kommen also einige durch die häretischen
Reden zu irrigen Ansichten und verkennen die Anordnungen Gottes und das
Geheimnis der Auferstehung der Gerechten und des Reiches, welches der Beginn
der Unvergänglichkeit ist, durch welches Reich die Würdigen allmählich
gewöhnt werden, Gott aufzunehmen. Es muss aber von den Gerechten gesagt werden,
dass sie zuerst bei der Erneuerung dieser Welt und der Wiederkunft Gottes
auferstehen werden, um die verheißene Erbschaft zu empfangen, die Gott den Vätern
versprochen hat, und um in ihr zu herrschen. Dann aber kommt das Gericht. In
der Welt, in der sie sich gemüht und gelitten haben, auf jegliche Weise in der
Geduld erprobt, in der werden sie gerechterweise auch die Früchte ihrer Geduld
empfangen. In der Welt, in der sie getötet wurden wegen ihrer Liebe zu Gott, in
der werden sie auch lebendig gemacht werden. Wo sie Knechtschaft erduldeten, da
werden sie herrschen.
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Denn reich in allem ist Gott, und alles
gehört ihm. Deshalb muss diese Schöpfung, in den alten Zustand wiedereingesetzt,
unbehindert den Gerechten dienen.«
Zum ersten Mal hat Tertullian (gest. nach
202) die Unsterblichkeit der Seele aus ihrem Wesen zu erklären versucht. Er
verwendet hierbei platonische bzw. neuplatonische Begriffe. Ja, wir begegnen
in seiner Theologie mit besonderer Intensität dem Unterschied zwischen der
platonischen bzw. der neuplatonischen (der »griechischen«) und der biblisch-jüdischen
Erklärung der Auferstehung.