4.
Kapitel
Die
Väterzeit
1.
Die Texte
Es ist verständlich,
dass die Ansichten der Väter angesichts der textlichen Situation in der
Schrift zahlreiche Schwankungen und Unklarheiten aufweisen. Für die ältesten
Väter war das Hauptproblem, wie die »Unsterblichkeit« Gottes von der
etwaigen Unsterblichkeit der menschlichen Seele abgehoben und als ein Gott
allein zukommendes Gut verständlich gemacht werden könne. Eine verwandte
Frage war es, ob der Seele die Unsterblichkeit aufgrund ihres Wesens oder aufgrund
eines besonderen göttlichen Gnadengeschenkes zukomme. Hinter dieser zweiten
Frage verbirgt sich das Problem, ob das Sein des Geschöpfes ein dynamisches
Geschehen von Gott her und auf Gott hin oder etwas in sich selbst Ruhendes ist
(siehe Bd. 2), ob es also neutrales Sein gibt, ob insbesondere die Unterschiedlichkeit
ein Heilsgut ist, das nur in Jesus Christus gewonnen werden könne.
2.
Der Thnetopsychismus
Insofern man unter dem Thnetopsychismus
(Tod von Leib und Seele: Ganztod) die Meinung versteht, dass die Geistseele
nicht schon aufgrund ihres Wesens unsterblich sei, wurde er von manchen Vätern
vertreten. Es wird uns jedoch von dem Kirchenschriftsteller Eusebius (gest.
393) und von anderen altchristlichen Theologen berichtet, dass Männer in
Arabien behaupteten, die Seele verfalle im Augenblick des biologi-
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schen Todes ebenso wie der Leib der Auflösung,
werde aber bei der Erweckung des »Fleisches« mit dem Leibe zusammen durch
die schöpferische Allmacht Gottes wieder lebendig und bleibe von da an unsterblich.
Diese Form des Thnetopsychismus wurde von den Kirchenvätern abgelehnt.