7.
Kapitel
Der
Tod als Ruf der Liebe
Der Ruf, den Gott im
Tode an den Menschen richtet, ist ein Ruf der Liebe. Der Sterbende wird in das
Leben Gottes hineingerufen. Der Sterbetag wird von der Kirche als ein Geburtstag
bezeichnet. Christus selbst als der Stellvertreter Gottes des Vaters, als sein
Bote kommt und holt die Seinigen in die Herrlichkeit, in welcher er seit der
Himmelfahrt lebt (Hebr 2,10; 3,6; Joh 14,2f; 1 Kor 5,17; Apg 2,21f; 22,21). Die
Schrift drückt diesen Vorgang gelegentlich mit dem Bilde aus, dass die Lebenden
die Pilger sind und die Sterbenden die Heimkehrer. So kann der Sterbende wie
Christus sagen: »Vater, in deine Hände empfehle ich meinen Geist« (Lk 23,46),
oder mit dem Apostel Paulus: »Ich habe das Verlangen, aufzubrechen und mit
Christus zu sein« (Phil 2,3; vgl. 1 Kor 11,26; 16,22f; Apg 22,21; Didache
10,6).
8.
Kapitel
Unentrinnbarkeit
des göttlichen Heilsrufes
Gott ist es, der die Menschen ruft. Der
Mensch ist derjenige, der gerufen wird und dem Ruf gehorchen muss. Er kann nicht
ausweichen. Näherhin ist der Tod eine Begegnung zwischen Gott und dem
sterbenden Menschen allein. Dieser kann sich nicht von Gott ab-
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wenden und sich umsehen, ob keine Helfer
hinter ihm stehen. Der Sterbende lässt sich auch von seinen liebsten Menschen
nicht mehr erreichen und ansprechen. Er ist außer Sprech- und Hörweite
geraten. Er stirbt allein. Die Einsamkeit im Tode ist vollkommen, für die
Sterbenden sowohl wie auch für die Bleibenden. Der Schmerz der Trennung ist der
letzte hilflose Ausdruck der Verbundenheit (siehe K. Jaspers. Philosophie, 2,2
2. Aufl. 1948, 2).