5. Kapitel

 

Der Tod als Buße

 Dies bedeutet, dass der Tod nicht nur den Charakter des Endes, sondern jenen der Buße und der Sühne hat. Im Tode erfährt der Mensch, der im Leben immer wieder von der Versuchung bedroht ist, Gott gleich sein zu wollen, sein Leben in gottfreier Autonomie zu bewältigen, die äußerste Demütigung. Er, der seine Grenzen so oft überschreiten will, wird hier unwider­stehlich in seine Schranken gewiesen. Er kommt ge­gen den, der ihm so seine Grenze zieht, durch keine Anstrengung auf.

Diesem Sinn des Todes wird der Mensch gerecht in der gehorsamen Bereitschaft, in welcher er mit Chri­stus sagt: »Vater nicht mein Wille geschehe, sondern der Deine« (Mt 26,39). Wer den Tod in dieser Gesin­nung vollbringt, lässt die Herrschaft Gottes, das souve­räne Handeln der Liebe Gottes, in sich zum vollen Durchbruch kommen. Er lässt Gottes Reich in sich in dessen voller Gestalt aufrichten. Der Tod ist die höch­ste Möglichkeit, Gott selbst im einzelnen sein Reich ausbauen zu lassen. Im Tode erkennt der Mensch bei einer solchen Haltung Gott als den an, der letztlich allein über das menschliche Leben zu verfügen ver­mag. So begreift der Gehorsam gegen Gott die Anbe­tung und die Liebe zugleich in sich.

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