2. Kapitel

Der Tod — kein bloß biologisches Phänomen

 Der Tod ist kein bloß medizinisch-naturwissenschaft­liches Phänomen. Er hat vielmehr immer und unter allen Umständen Personalcharakter, insofern er zu einer Be­gegnung zwischen dem Menschen und Gott wird. Dies gilt auch für eine solche Todesform, in welcher eine derartige Begegnung optisch nicht in Erscheinung tritt, ja nicht in Erscheinung treten kann. Gott erweist sich als souveräner Herr über Leben und Tod.

 3. Kapitel

 Der Tod als Begegnung mit Gott

 Christus brachte eine neue Situation. Er hat den Tod in vollem Gehorsam gegen Gott auf sich genommen.

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Indem er in der Übernahme des Todes Gott als den Herrn und als den Heiligen, als den allein wahrhaft Le­bendigen anerkannte, hat er ihn als ein Element seines Lebens vollzogen. Indem er sich bereitwillig in den Tod hineinbegab, fasste er den Gehorsamswillen zusam­men, den er während seines ganzen Lebens dem Vater entgegenbrachte. Dadurch gewann er seine eigene menschliche Vollendung; denn in diesem höchsten zu­sammenfassenden Akte des Gehorsams hat er sich in einer vorbehaltlosen Weise auf Gott hin transzendiert und so sich selbst in einer vollendeten Weise gewon­nen. Zeichen dessen war die Auferweckung. Mit die­sem Vorgang ist eine neue Epoche der menschlichen Geschichte eingeleitet worden.

Wenn man einen Gedanken von K. Rahner abwan­delt, könnte man sagen: In seinem Tode hat Christus seinen Gehorsam gegen Gott und seine Liebe zu ihm sowie die Treue zu dem Menschen der menschlichen Geschichte ein für allemal als wirkende Kraft eingestal­tet und zwar in jene Verleiblichung, welche die höch­ste Möglichkeit darstellt. Da im Gehorsam Jesu die Auferweckung als die aus seinem Tode quellende Er­füllung eben mit dem Tode ein einheitliches Ganzes bildet, ist das Mysterium seines Todes und seiner Auferstehung, und zwar als ein Mysterium sowohl des gnädigen Gottes als auch des gehorsamen Menschen, der menschlichen Geschichte wie ein neues, inneres Prinzip, ein Wirk- und Heilsprinzip eingeschaffen wor­den. Es stellt ein neues Potential für das Menschenleben dar. Damit dies allerdings den einzelnen Men­schen erreicht, bedarf es der persönlichen Hingabe an Jesus Christus. In dem Glauben an Christus als der Selbstüberantwortung an ihn öffnet sich der Mensch für dieses neue Prinzip. Indem er sich, von Gott in Be­wegung gesetzt, im Glauben Christus anheim gibt und

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sich so für dessen Wirksamkeit aufschließt, teilt sich Gott selbst im Heiligen Geiste mit. Dies befähigt den Menschen, das ganze Leben, insbesondere aber das Sterben in und mit Christus zu vollziehen. Da kann die Dynamik jener Hingabebewegung an Gott den Vater, welche Christus auf Golgota vollbracht hat, ihren höchsten Intensitätsgrad erreichen, ohne allerdings sogleich zu jenem Ziele zu kommen, welches der Tod Christi gewonnen hat, nämlich zur Auferstehung in leiblicher Verklärung. Daraus ergibt sich — wie noch eingehender dargelegt werden wird - keine geringe Spannung innerhalb der Stufen der »Vollendung«.

Die Höchstform der Dynamik des Todes und der Auferstehung Christi im Tode des einzelnen Menschen hat ein langes Vorspiel während des ganzen Lebens. Sie steigt nicht plötzlich in einem Augenblick zu ihrer Höhe empor. Sie entwickelt sich vielmehr in einer all­mählichen Steigerung. Der erste Schritt ist die durch Glauben und Taufe erreichte Teilnahme am Sterben und an der Auferstehung Jesu Christi, wie sie uns Röm 6,1-11 bezeugt wird. Sie wird intensiviert durch die Eucharistie. Im gleichen Sinn wirken die übrigen Sakramente und auch das Gebet, aber auch alle Heim­suchungen, insbesondere die Krankheiten, die Be­schwerden des Alters und die zahlreichen, sinnlos er­scheinenden Unfälle. Sind diese rätselhaften Schick­sale Zufälle oder Zeichen göttlicher Gegenwart? Der Glaube versteht sie im letzteren Sinn (siehe G. Greshake, Die Wüste bestehen, 1980).

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