2.
ABSCHNITT
Der
Tod als unentrinnbares Schicksal
1.
Kapitel
Der
Tod als Vorgang — Tod und Sünde
Für die Interpretation jenes Schrittes,
in welchem der Mensch aus dem Laufe der Geschichte austritt, um jenseits des
geschichtlichen Lebens ein anderes, das »ewige Leben« als das Leben der Erfüllung
zu beginnen, sei auf die Ausführungen über die Sünde der ersten Menschen,
über die Erbsünde und über den Heilstod Jesu Christi verwiesen. Der Tod wird
in der Schrift einerseits bezeugt als Erschöpfung der menschlichen Lebenskräfte.
Er wird unter dem biologischen Gesichtspunkt gesehen. Zugleich aber wird er
gedeutet als eine Verfügung Gottes, und zwar als ein Gericht Gottes über den sündigen
Menschen.
Wir suchten früher (Bd.2) zu erklären,
was darunter zu verstehen ist. Es ist nicht gemeint, dass die Menschen, hätten
sie nicht gesündigt, immerfort auf der Erde weiter zu leben berufen gewesen wären.
Solche märchenhaften und phantastischen Vorstellungen werden in der Schrift
nicht geboten. Es ist vielmehr gemeint, dass die ersten Menschen infolge ihrer Sünde
die Fähigkeit verloren haben, den zur menschlichen Natur gehörenden Tod in
vollem Gehorsam gegen Gott und in voller Liebe zu ihm als ein von Gott verfügtes
Schicksal in ihre personale Existenz hinein zu integrieren und darin Gott als
den Herrn anzuerkennen.
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Was die ersten Menschen
für sich verloren haben, ist gewissermaßen dem Ganzen der Schöpfung als ein
jedem einzelnen Menschen vorgelagertes negatives Existential eingestiftet, so
dass vor Christus alle unter der Macht der Sünde standen und infolgedessen in
ihren religiös-seelischen Möglichkeiten so reduziert waren, dass sie sich dem
Schicksal des Todes als einer Verfügung Gottes des Schöpfers nicht in voller
Bereitschaft zu fügen imstande waren und daher den Tod nicht als eine Weise
ihres geschöpflichen Lebens in ihren personalen Lebensvollzug einzuordnen
vermochten.