2.
Kapitel
Das
Problem des Einzelnen
Im Gegensatz zur ersten Auflage dieses
Werkes wird also hier die These vertreten, dass zwar das letzte Ziel der Schöpfung
und der Heilsgeschichte die »Letzten« Ereignisse in ihrer Ganzheit
betreffen, dass aber innerhalb des geschichtlichen Ablaufs immer der Einzelne
betroffen wird. Es ist daher notwendig, über das nach der göttlichen
Offenbarung und nach dem Glauben der Kirche den einzelnen treffende Schicksal
zu sprechen. Wie wir aus dem ersten Briefe an die Gemeinde in Thessaloniki
wissen, waren die dortigen Christen beunruhigt über das Schicksal derer, welche
vor dem erwarteten Kommen Christi dahingegangen
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sind (1 Thess 4,13ff). Das Problem, welches sie drückte, hat zwar eine
kirchliche Antwort erfahren. Diese bedarf jedoch einer genauen Interpretation.
Was Paulus zu der Sorge der Thessaloniker sagte, scheint darauf hinzuweisen,
dass es beim Kommen Christi noch in irdischer Weise lebende Menschen gibt, dass
diese sogar in einer günstigeren Position sind als die Verstorbenen, dass
also das Reich Gottes noch nicht seine letzte und volle Erfüllung gefunden hat.
Denn diese ist nur, wie nicht oft genug betont werden kann, durch den Tod
hindurch erreichbar. Das Problem, das in Thessaloniki ventiliert wurde, betrifft
die Spannung zwischen der allgemeinen und der besonderen Eschatologie. Sie
besteht, wenn auch in anderer Form, bis zum heutigen Tage. Es ist zu vermuten,
dass es eine voll befriedigende Lösung innerhalb der Geschichte nie geben wird.
Paulus spricht vom Standpunkt der bedrückten Christen in Thessaloniki aus.