9.
Gefahren
Dies bedeutet rückwirkend wieder einen
Wandel ihrer eigenen Erscheinungsform. Hierbei droht die Gefahr, dass sie
von den auf sie zukommenden Elementen der Welt überwuchert und ihrem eigenen
Wesen fremd wird, dass sie also der Sünde verfällt und der Selbstreform
bedarf. So steht sie in einer unaufhebbaren Spannung von notwendiger
Weltzuwendung und unvermeidlicher Weltdistanz. Sie muss sich immer wieder von
der Welt zurücknehmen, um in Jesus Christus zu bleiben und von ihm aus wieder
in die Welt hineingehen, um dieser die Christusbotschaft auszurichten. Sie
muss sich auf ihr Innerstes, auf Jesus Christus, besinnen und zurückziehen
und zugleich ständig aus sich herausschreiten, um Christus zu proklamieren. Sie
muss welthaft und unwelthaft in einem sein. Nur die weltlich-unweltliche Kirche
ist die reale Kirche der realen Geschichte. Nie wird der Kirche diese
Dialektik vollkommen gelingen. Sie wird daher wesenhaft immer unvollendet
sein. Der wesenhaft unvollendeten und unvollendbaren Welt entspricht die
unvollendete und unvollendbare Kirche.
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Dies bedeutet, dass die Kirche immerfort
sich selbst reformieren muss. Dies ist nicht nur eine Aufgabe für besonders gefährliche
Zeiten, sondern eine immerwährende Anforderung und zwar sowohl hinsichtlich
der Weltdistanz als auch hinsichtlich ihrer Weltzuwendung. Der Gefahr der
Verweltlichung durch die Weltzuwendung kann sie nicht entrinnen durch die Wegwendung
von der Welt. Denn diese würde sie dazu führen, dass sie ihre Aufgabe, der
Welt Christus zu verkündigen, verrät. Das Maß ihrer ständigen Selbstreform
ist Jesus Christus. Eine absolut sichere Norm hierfür gibt es nicht.