8. Die Selbstentfaltung und die Selbstreform der Kirche auf ihrer Pilgerschaft

Die Kirche versteht sich also als eine Kirche im Wer­den gemäß den von Christus stammenden Strukturen. Indem sie den Zeiten das Christusheil als Werkzeug Christi einstiftet, entfaltet sie sich selbst. Sie schreibt sich selbst eine dialektische Existenz zu, die Dialektik von Jetzt und Dann, von Schon und Nochnicht. Wenn sie auch noch ferne vom Herrn in den Formen der Welt pilgert, so kann sie doch den Blick nie von der Zukunft wegwenden. Sie bleibt für die kommende Stunde wach.

Indem sie durch die Jahrhunderte und Jahrtausende schreitet (G. von Le Fort), wächst sie selbst zu immer größerer Reife in Christus heran und zwar im Christus­verständnis (Glaube) und in ihrem Lebensvollzug (Ethos und Kultus). Sie kann ihren Weg nicht machen ohne fruchtbaren Dialog mit den sich immer wandelnden Menschen, mit den Menschen verschiedener Lebens­­gefühle, verschiedener kultureller, sozialer und öko­no­mischer Prägung, verschiedener religiöser Überzeu­gungen und Verhaltensweisen, verschiedener politi-

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scher Engagements. Sie muss ihre Heilsbotschaft, de­ren Kern unwandelbar ist, in immer neuen Sprachge­stalten und Kultformen verleiblichen. Diese können sehr verschieden voneinander sein, so dass sie vom Gewohnten her schreckhaft oder auch abstoßend sein können. Sie muss viele Antworten geben, die sie nicht von Anfang an kennt und um die sie aus ihrem Glau­ben an Christus im Heiligen Geiste, der sie in das Chri­stusverständnis einführt, selbst ringen muss, oft mit schweren Anstrengungen und manchmal mit wech­seln­dem Erfolg und mancherlei persönlichen und kol­lektiven Katastrophen.

  

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