13.
Kapitel
Die
Kirche mit der gesamten Schöpfung
auf
dem Weg in die Vollendung
1.
Die Prägung der Geschichte
durch
das Heilstun der pilgernden Kirche
Das II. Vatikanische Konzil spricht öfter
von der »pilgernden« Kirche. Dieses Wort ist an die Stelle der früher in
kirchlichen Dokumenten und gelegentlich auch in liturgischen Texten vorkommenden
Terminologie von der »ecclesia militans«, von der kämpfenden Kirche
getreten. Dieses Wort brachte zum Ausdruck, dass die Kirche die ihr auf ihrer
langen Wanderschaft durch die Zeiten hindurch gestellte Aufgabe nur erfüllen
kann, wenn sie mit dem Menschen um sein Heil ringt. Sie bleibt dabei allerdings
immer das Werkzeug des mit dem Menschen ringenden Gottes. Das Wort hat keinerlei
militaristische Stoßrichtung, kann aber so auch ohne bösen Willen
missverstanden werden.
Die Kirche ist von ihrer Aufgabe und von
ihrem Wesen her nicht eine in sich ruhende, nur der Gegenwart lebende, in sich
geschlossene Gesellschaft. Sie ist vielmehr das neutestamentliche Gottesvolk,
welches, ähnlich dem alttestamentlichen, das durch die Wüste 40 Jahre lang dem
verheißenen Lande entgegenwanderte, zwar innerhalb der Geschichte lebt und
wirkt, sich aber an keinen Zeitpunkt der Geschichte beruhigt niederlassen oder
ansiedeln kann, so als ob sie schon am Ziele wäre, sondern immer auf dem Wege
bleiben muss. Das bringt zweifellos eine gewisse Unruhe in die Kirche, die nie
mit dem unmittelbar Gegebenen zufrieden sein kann.
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Das Bild vom wandernden Gottesvolk enthält
mehrere Gesichtspunkte. Zunächst weist es auf den Verlauf im Nacheinander
der Zeiten hin, sodann auf den Inhalt der Zeiten und schließlich auf die
Entwicklung des Gottesvolkes selbst, indem es innerhalb der auf Christus zurückgehenden
Strukturen immer ein Volk im Werden ist und nie eine ein für allemal fertige Gestalt
hat. Es gleicht dem Menschen, der vom Kindesalter über das Mannesalter in das
Alter der Reife hinüberwächst, dabei die ursprünglichen Züge seines
Antlitzes wahrt, aber immer neue herausformt und sich immer in neue
Lebenssituationen einfügt. Die Kirche wird allerdings ihre Vollreife erst
erreichen, wenn sie das Ende ihrer Existenz erreicht.