8. Kapitel

 

Die Kirche als Wandergemeinschaft

 

Die Kirche begreift sich als jene Gemeinschaft, welche durch die Zeiten hindurch der Stunde entgegenpil­gert, in der sich der stets präsente Christus der Öffent­lichkeit der Welt zeigt, die sich innerhalb der von Chri­stus und den Aposteln festgesetzten Strukturen im Laufe der Zeit immer wieder entsprechend den von der

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Zeit selbst geforderten Formen ändert. Es ist ihr also auferlegt, dass sie immer tiefer in das Christusgeheim­nis eindringt, dass sie ihre Botschaft stets in die Spra­che und in die Denkweise übersetzt, in der sie die Menschen erreichen kann, ferner, dass sie sich immer wieder von eingedrungenen und festgesetzten frem­den Ideologien und Milieuvorstellungen befreit, ferner, dass sie bereit ist, sich von der im Laufe der Geschichte herangewachsenen Verquickung mit politischen und gesellschaftlichen Formen zu lösen, sobald sich diese mehr als Hindernisse denn als Förderung ihres Auf­trags erweisen. Die Kirche bleibt in dem wesentlich zu ihr gehörenden Werdeprozess stets hinter dem zurück, was sie sein soll. Sie strebt immer nach der Verwirkli­chung ihrer selbst, ohne sich selbst jemals adäquat verwirklichen zu können. In dem Augenblick jedoch, in welchem sie infolge des Geschenkes Gottes sein wird, was sie sein soll, nämlich eine Gesellschaft von Menschen, die aus vorbehaltloser schöpferischer Lie­be ge­prägt sind und in einem beglückenden Aus­tausch leben, hört sie auf, Kirche zu sein, insofern zu ihr wesent­lich die hierarchische Ordnung gehört.

  

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