7.
Kapitel
Kirche
und weltliche Ordnungen
Die Zeit der Zeichen wird vergehen. Die
vollendete Herrschaft Gottes wird die vollendete Gemeinschaft der Menschen mit
Gott und untereinander sein. Wenn man fragt, wie sich diese absolute Zukunft zu
unserer Geschichte verhält, so ist es schwer, eine zuverlässige Antwort zu
finden. Ganz allgemein lässt sich natürlich sagen, dass Kontinuität und
Diskontinuität bestehen. Das Verhältnis zwischen diesen beiden Bewegungen lässt
sich jedoch nicht genau bestimmen. Auf jeden Fall muss man sorgfältig
unterscheiden zwischen dem Reiche Gottes und allen irdischen Weltgestalten und
Ordnungsformen. Auch diese gehören zu der von Gott
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gewollten und hervorgebrachten Schöpfung.
Auch in ihnen ist Gott wirksam und präsent. Insofern sie dem Leben des
einzelnen und der Gesellschaft dienen, sind sie Ausdrucksgestalten schöpferischer
Liebe. Aber sie gehören zu der vergänglichen Welt und dienen dem innergeschichtlichen
Leben. Da sie ihren Sinn im Dienste am Menschen haben, müssen sie sich mit
dem Wandel menschlicher Anschauungen und Existenzformen selbst wandeln. Es ist
durchaus möglich, dass bestimmte politische, wirtschaftliche, soziale
Ordnungen in einer bestimmten Epoche dienende Funktion gegenüber den Menschen
erfüllen, während die gleichen Ordnungen in einer anderen Epoche Freiheit und
Menschenwürde nicht nur nicht ermöglichen, sondern verhindern. In einer
solchen Situation müssen sie verändert werden und neuen Ordnungen Platz
machen. Die Kirche selbst muss die Zeichen und die Verkündigung des
Gottesreiches den jeweiligen Situationen anpassen. Ähnlich war, so darf man
sagen (G. Lohfink), die Verkündigung Jesu selbst nicht ohne Verflechtung in das
damalige Welt- und Geschichtsbild.