6. Kapitel

 

Die Rolle der Kirche für das Reich Gottes

 

Wie wir früher sahen, kann die Kirche nicht mit dem Reiche Gottes einfachhin identifiziert werden. Denn das Reich Gottes bedeutet, dass Gott selbst heilsmäch­tig handelt und zwar durch Jesus Christus im Heiligen Geiste. Die Kirche spielt jedoch für das Heilshandeln Gottes und daher für das Reich Gottes eine maßge­bende Rolle. Sie ist ja der Leib Christi und das Volk des Heiligen Geistes, jener beiden göttlichen »Personen«, durch welche Gott der Vater tätig ist. Insbesondere ist Jesus-Christus nicht nur der Bringer und Verkündiger, der Herold des Reiches, sondern sein Inbegriff. Diese seine Funktion für die Gottesherrschaft wirkt durch die Kirche während der ganzen Zeit ihres Bestehens. Der Heilige Geist ist seinerseits wiederum der Interpret Jesu Christi. Zudem ist er es, der die Herzen der Men­schen für das Handeln der Liebe Gottes, für Christus öffnet.

Die Kirche ist grundlegend für den Beginn der Got­tesherrschaft, sie ist der Raum, da sich diejenigen sammeln, die im Glauben Christus ergreifen und so in das Reich Gottes aufgenommen werden. Sie sind im Heiligen Geiste mit Christus wie mit ihrem »erstgebo­renen Bruder« verbunden und können daher in allen Lagen des Lebens ihr Vertrauen auf Gott den Vater, den Herrn des Reiches setzen. Sie ist ferner das uni­versale Zeichen und das Werkzeug der Gottesherr­schaft. Werkzeug und Zeichen fallen dabei zusam­men. Durch ihr Leben, durch ihre Wortverkündigung, durch die Setzung der sakramentalen Zeichen, durch ihre Nachfolgeschaft gegenüber ihrem Haupte, durch

 

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die opferbereite Liebe zeigt sich die Anwesenheit des Reiches Gottes in seiner Würde. Man darf wohl sagen: Gott selbst bringt durch die Kirche seine Herrschaft der Liebe in der Geschichte voran. So betet denn die Kirche mit Recht unzählige Male zu Gott dem Vater, dass sein Reich komme, d.h., dass er selbst Sorge tra­ge für sein Reich.

Man muss den Blick über die Kirche hinausrichten, denn sie hat stellvertretende Funktion für die gesamte Menschheit. Jeder religiöse Glaubensvollzug in der Menschheit, alle echten menschlichen Sehnsüchte, Hoffnungen und Träume sind gottgefügte Schritte in jene endgültige Zukunft hinein, in welcher das Reich seine Vollendungsgestalt erreicht.

  

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