4.
Kapitel
Jesus
als Verkündiger und als
»Jetzt-Gestalt«
(J.Ratzinger) der Gottesherrschaft
Jesus selbst ist der Verkündiger, aber
auch zugleich die Erscheinung des Gottesreiches. Er hat dieses auf-
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gerichtet durch die Art seines
Lebensvollzuges, durch seinen Gehorsam gegen den Vater, durch seine Treue gegenüber
den Menschen, insbesondere aber durch seinen Heilstod auf Golgota und durch
seine Auferstehung. Durch seinen Tod werden die gottfeindlichen Reichsmächte
prinzipiell abgetan. In seiner Auferstehung zeigt sich, welche Antwort Gott
auf den vorbehaltlosen Gehorsam und die vollkommene Liebe gibt, was es für
die Menschen bedeutet, wenn Gott rückhaltlos zur Herrschaft kommt, weil sich
der Mensch ihm vorbehaltlos öffnet.
Deutlich wird am Schicksal Jesu Christi,
dass die Vollgestalt des Gottesreichs nur durch den Tod zu erreichen ist. Man
darf hinzufügen: Diese letzte Tatsache wird im Gebete, mehr unbewusst als
bewusst von den Christen bekannt, und zwar in dem Vaterunsertext: »Dein Reich
komme.« Dieses Wort kann nur bedeuten, dass sich der Anfang des Reiches durch
die ganze menschliche Geschichte und jedes Einzelleben hindurchzieht, dass aber
im Leben der Einzelnen das Reich in seiner Vollkommenheit eintritt, wenn er den
Übergang von der irdischen in die verklärte Existenz vollzieht, d.h. also im
Tode. So bedeutet die angegebene Bitte eine Bitte um den erfüllenden Tod. Der
auferstandene Christus ist die »Jetzt-Gestalt« des Gottesreiches. Diese
hat universale und endgültige Bedeutung. Die Auferstehung Jesu ist die
Vorwegnahme der die Gesamtgeschichte prägenden, universalen Existenzform.
Was an Christus geschah, soll an jedem
Menschen, ja an der gesamten Schöpfung geschehen. Welchen Tiefgang die
Vollendung des Gottesreiches aufgrund der Auferstehung Jesu Christi für den
gesamten Kosmos hat, wird später im Zusammenhang mit der Analyse des Todes
erörtert werden.
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Ohne Zweifel hat der auferstandene
Christus in der Auferstehung die Herrlichkeit nicht für sich allein empfangen,
sondern für die gesamte Schöpfung (Röm 8,29; Kol 1,15,18; Offb 1,5; 1 Kor
15,12ff).
Die ganze menschliche Geschichte, ja die
Schöpfung wird ihm auf dem Wege, auf welchem er zu der Verklärungsexistenz
gekommen ist, nachgehen. Bei der Bedeutung, welche Tod und Auferweckung Jesu für
die Herrschaft Gottes besitzen, ist es verständlich, dass in der geisterfüllten
Meditation der Jünger über das Tun und das Wort Jesu der Terminus von der Gottesherrschaft
selbst mehr und mehr zurücktrat und an dessen Stelle Jesu Heilstod und Erhöhung
proklamiert wurde. Es wird zwar auch in den paulinischen Briefen noch oft von
dem kommenden Gottesreich gesprochen (1 Kor 6,9f; 15,50; Gal 5,21; Eph 5,5; 1
Thess 2/12; 2 Thess1,5; vgl. auch Kol 4,11; 2 Tim 4,1). Daneben
wird aber von Paulus die gegenwärtige Herrschaft Christi bezeugt (Kol 1,12; Röm
14,17). Christus hat seine Herrschaft durch den Kreuzessieg und durch die
Unterwerfung der Unheilsmächte errungen (Eph 1,20-23; 4,10; Phil 2,10). Es ist
jedoch von entscheidender Bedeutung, dass Jesus am Ende der menschlichen
Geschichte die Herrschaft Gott dem Vater übergeben wird (1 Kor 15,24-28; vgl.
Hebr 12,28; 2 Petr 1,11; Jak 2,5; Apk 11,15-12,20). Die Herrschaft Jesu Christi
wird somit als Medium für die endgültige Aufrichtung der Herrschaft Gottes
des Vaters geschildert (1 Kor 15,28). Ihre Herbeiführung wird dem Heiligen
Geist zugeschrieben.
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