3. Kapitel

 

Nähe und Ferne der Gottesherrschaft

 

Das Reich Gottes ragt schon in unsere Weltzeit her­ein. Man kann das Verhältnis zwischen der schon in­nerhalb der Geschichte bestehenden und der endgülti­gen, der zukünftigen Gestalt nicht mit den Worten von der Verborgenheit und von der Offenheit adäquat aus­drücken. Man muss vielmehr hervorheben, dass das Reich Gottes jetzt zwar seinen Anfang nimmt und sei­ne Kräfte schon jetzt wirksam sind, dass aber die zu­künftige Gestalt mehr sein wird als die bloße Enthül­lung dessen, was jetzt schon verwirklicht ist, wie auf der anderen Seite das Reich Gottes auch innerhalb der

 

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Geschichte nicht völlig verborgen ist. Es ist ja in Jesus Christus herbeigekommen (Mk 1,14). Es bekundet sich in Jesu Gleichnissen und in seinen Machttaten. Gerade seine Gleichnisse, z. B. das Gleichnis vom Sä­mann, namentlich aber das Gleichnis vom Feigenbaum, der Bericht von der Aussendung der Jünger (Lk 10,4), von der Seligpreisung der Jünger, weil sie sehen und hören, was andere nicht gesehen und gehört haben (Lk 10,23ff; vgl. G. Lohfink- G. Greshake, Naherwar­tung, Auferstehung, Unsterblichkeit, 3. Aufl., 1978) verweisen auf seine Nähe.

Dies wiederum heißt nicht, dass das Gottesreich in seiner schon bestehenden, gewissermaßen keimhaften Realität ein weltimmanentes Element darstellt. Es ist vielmehr in allen Phasen ein immanent-trans­zen­den­tes Geschehen, über welches sich das Hell-Dunkel des Geheimnisses breitet. Es ist als solches sichtbar und unsichtbar zugleich, sichtbar in allen Erscheinungswei­sen echter schöpferischer Liebe, unsichtbar insofern es eine Epiphanie Gottes selbst ist. Die Gleich­nisse und Machttaten Jesu Christi sind Signale der geheim­nisvollen Anwesenheit des Gottesreiches. Seine größ­te Nähe offenbart sich in der Verkündigung der Aufer­stehung Jesu.

  

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