9.
Kapitel
Relative
Autonomie des Irdischen
Wenn in solchen Worten
jede Identifizierung von Gottesreich und Weltreich aufgehoben wird, so wird
damit keineswegs der Zusammenhang verneint. Das Irdische hat aufgrund seines
Geschöpfcharakters eine gewisse Autonomie. Deren rechte Ausübung ist durch das
Erlösungstun Jesu Christi ermöglicht worden. Von der Kirche wurde im II.
Vatikanischen Konzil eindeutig und allseitig diese Autonomie verkündet, vor
allem in der Konstitution über die Kirche in der Weit von heute. Mit der
Autonomie verbindet sich eine in der Geschöpflichkeit liegende Abhängigkeit
von Gott. So ergibt sich eine begrifflich schwer darstellbare antinomische
Relationalität von Gott und Welt.
10.
Kapitel
Kein
radikaler Dualismus
Es wäre allerdings falscher Dualismus zu
glauben, dass die beiden Wirklichkeiten nur lose miteinander zu tun haben. Diese
Vorstellung scheitert schon daran,
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dass es der gleiche
Gott ist und der gleiche Geist, der das eine und das andere wirkt, ferner daran,
dass auch die irdischen Kulturgestalten, soweit sie wahrhaft menschenwürdig
sind, Ausdrucksformen jener göttlichen Liebe bilden, welche das Zeichen göttlicher
Präsenz ist. Indes, selbst wenn man der utopischen Hoffnung Raum geben wollte,
dass die innerweltlichen Zukunftsbemühungen vollen Erfolg haben werden, dass
also die neuen sozialistischen Menschen Frieden und vorbehaltlose
Einsatzbereitschaft vollbringen werden, dass mit anderen Worten die Sünde, die
Verweigerung der Liebe, keine Zukunft hat, sondern schon im binnenweltlichen
Bereich desavouiert und besiegt wird, könnte man die absolute Zukunft nicht mit
einem innerweltlichen Paradies gleichsetzen. Man würde dabei die Transzendenz
des Gottesreiches übersehen. Alle Versuche dieser Art sind sowohl im
intellektuellen wie im praktischen Bereich zum Scheitern verurteilt und stiften
Zerstörung.