6.
Kapitel
Verbindung
von Schöpfung
und
Christusgeschehen
Mit all dem ist in entscheidender Prägung
gesagt, dass Gott selbst durch seinen Sohn und den von ihm und dem Sohn
gesandten Heiligen Geist in der Welt gegenwärtig ist, dass also die Welt zwar
nicht zu formaler Identität, wohl aber in kausaler Wirklichkeit in die
Existenz des praeexistierenden und menschgewordenen Gottessohnes und in das
Liebesdasein des Heiligen Geistes aufgenommen ist und daher der von Gott durch
Christus im Heiligen Geist gerettete Mensch die Welt als seine vorläufige
Heimat gestalten muss. Ja, Christus ist als Urgrund von vorneherein an der Schöpfung
beteiligt (siehe Schöpfungslehre, Bd. 3, und Christologie, Bd. 4, 1).
Nur eine völlig
abstrakte, wirklichkeitsferne Begriffstheologie könnte die absolute Zukunft
proklamieren, ohne des Weges zu achten, den der einzelne und die ganze
Menschheit, ja die gesamte Schöpfung geht, um bei Gott anzukommen (siehe 1 Kor
15, wonach Christus die ganze Schöpfung Gott dem Vater unterwirft). Diesen
Weg stellen alle menschlichen Anstrengungen dar, die auf eine bestimmte,
bessere und menschenwürdigere Gestalt des Lebens zielen, wobei allerdings nicht
verschwiegen werden darf, dass für den Menschen vielfach sehr schwer zu
erkennen ist, wie er handeln muss, um binnengeschichtlich wirklich nach vorwärts
und nicht nach rückwärts, tiefer in den Bereich des Guten und nicht in den
Bereich des Bösen hineinzugeraten. Mit Recht werden von der Theologie die
innerweltlichen wirtschaftlichen, sozialen, kulturel-
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len, politischen und wissenschaftlichen
Bemühungen bejaht, soweit sie nicht der Ausbeutung, der Selbstbereicherung,
der Machtsucht, sondern der humanen Gestaltung der Erde dienen. Weil diese in
der Dimension der Schöpfung liegen und bewusste oder unbewusste Erfüllungen
des von Gott gegebenen Auftrages sind, die Erde so zu gestalten, dass die
Menschen als Menschen sich auf ihr auszubreiten und auf ihr zu leben vermögen
(Gen 1,28ff), lassen sich eben über solche Versuche theologische Aussagen
machen (M. Seybold, Schöpfung und Erlösung. Einheit und Differenz, in: Münch.Theol.Ztschr.33,
1982, 25-43. L. Scheffczyk, Die Idee der Einheit von Schöpfung und Erlösung in
ihrer theol. Bedeutung, in: Theol. Quartalschr. 140, 1960, 19-37).