4.
Kapitel
Gott
der immer Gegenwärtige —
die
absolute Zukunft
Dies wird sogleich verständlicher, wenn
wir bedenken, dass das letzte Ziel Gott selbst ist, der die Zukunft des
Menschen nicht nur wirkt, sondern auch bedeutet. Demgemäss ist er, insofern
er die Liebe ist, die letzte, nicht mehr überschreitbare Zukunft des
Menschen. Die Sünde erscheint in diesem Zusammenhang als Verweigerung der
absoluten Liebe, sie ist daher zukunftsfeindlich. Die endgültige,
transzendente Liebesform ist der Austausch zwischen Gott und Mensch und
zwischen den Menschen untereinander, ja die Aufnahme der ganzen Schöpfung in
die Liebe des Menschen und letztlich in Gottes unendliche, stets selig
erfahrene Liebe.
Es ist hier noch ein
weiterer wichtiger Umstand anzuführen. Die Liebe ist natürlich nicht ein
unwandelbares, ständiges bewunderndes und beglückendes Hinschauen auf Gott
wie auf eine unübertreffliche Herrlichkeit, wenngleich sie ein beglückendes
Leben von Angesicht zu Angesicht darstellt. Sie dringt vielmehr immer tiefer und
allseitiger in Gottes Unermesslichkeit ein, nicht in eigener Kraft oder etwa
aufgrund von »Verdiensten«, sondern aufgrund der sich immer tiefer und
allseitiger den Menschen erschließenden göttlichen Gnädigkeit. Auch der
Mensch, der in der letzten Zukunft lebt, kann ein derartiges immerwährendes
Eindringen in Gott von sich aus nicht erwarten und nicht erhoffen. Daher ist für
ihn jede Steigerung seiner Liebesfähigkeit und seiner Erkenntniskräfte eine ständige
Überraschung. In der absoluten Zukunft erlebt
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der Mensch Überraschung auf Überraschung.
Der Grund liegt, um es nocheinmal zu sagen, in der im wahren metaphysischen Sinn
zu verstehenden Seinsunendlichkeit Gottes. So kann vom Menschen her gesehen
der Austausch mit Gott nie auf einen endlichen Grund, nie an ein Ende kommen.