2.
Kapitel
Orthopraxie
der christlichen Eschatologie
Wenn die
Theologie den Weg nach vorwärts als den Weg in die universale und definitive
Zukunft des Menschen versteht und diese Zukunft aufgrund der göttlichen
Offenbarung mit Bildern und Begriffen zu be-
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schreiben versucht oder durch Denkmodelle
unserem Geiste nahe bringen will, so pflegt sie dabei nicht nur intellektuelle
Spiele oder interessante Illusionen, sondern bietet Motive und Antriebe zum
Handeln. Denn nicht das Wissen oder die theologische Mythologie von der Zukunft
sind für das Glaubensleben ausschlaggebend, sondern die moralische und
glaubende Anstrengung auf die unausweichliche Existenz, in das Leben in der
letzten Zukunft. Die Theologie drängt immerfort auf Veränderung der Welt,
nicht ohne Ähnlichkeit mit dem marxistischen Humanismus, und zwar im Sinne
einer stets voranschreitenden Humanisierung. Sie ist überzeugt, dass diese
trotz aller Misserfolge und Rückschläge, trotz der phänomenalen Vormacht
des Bösen nicht einfachhin unerfüllt bleiben kann, da sonst die menschliche
Sehnsucht und der Christusglaube eine Selbsttäuschung wären, diese letztere,
da ja die Rettung durch Christus eine Befreiung von der Sünde in sich schließt.
Die letzte Vollendung kann indes nur transzendent sein.
Eine solche Überzeugung gründet
letztlich in der Glaubensgewissheit, dass zwar die endgültige, humane
Weltgestalt und Gesellschaftsform nicht durch menschliches Mühen und Ringen
geschaffen werden kann, dass Kriege nicht allein durch menschliche Anstrengung
überwunden werden können, sondern dass auch die irdische Vollendung nur von
Gott gewährt werden kann. Es gibt keinen irdischen Macher einer vollkommenen
irdischen Zukunft. Der Mensch kann jedoch und muss infolge seiner durch Christus
geschaffenen Freiheitsmöglichkeit mitgestalterisch tätig sein. Er trägt
hierfür eine schwere Verantwortung.
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