Erster
Hauptabschnitt
Vorspiel
1.
ABSCHNITT
Eschatologie
und Protologie
1.
Kapitel
Problemstellung
Unsere Darstellung in den bisherigen Bänden
ist von der Überzeugung durchzogen, dass das Werk Christi nach der langen
alttestamentlichen Vorgeschichte ein Beginn war, der eine geistliche,
gottgewirkte Entwicklung von größter Wirksamkeit eingeleitet hat. Sie liegt
darin, dass die befreite Welt machtvoll der absoluten Zukunft, d.h. Gott,
entgegenstrebt, von ihm selbst wirksam gewollt. Die Erschaffung der Welt war der
Anfang einer gewaltigen »Evolution«. Deren geistlicher Sinn war von
vorneherein die Einmündung in die durch Christus eröffnete neue Situation
alles Geschaffenen sowie letztlich die Ankunft bei Gott, die sich in der
unmittelbaren Selbsterschließung und Hingabe Gottes an die Geschöpfe
vollzieht. So ist die Eschato-
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logie das bald stärker, bald geringer
hervortretende Leitmotiv in der ganzen Darstellung des Werkes »Der Glaube der
Kirche«.
Die Zukunftssicht beherrscht auf der
Grundlage der Vergangenheit das Ganze durch und durch. Aus der Sicht auf die
verheißene Zukunft kann man die Vergangenheit erst voll verstehen, wie
allerdings auch umgekehrt die Zukunft aus der Vergangenheit. Nun sollen in einem
Sonderabschnitt die letzte Wegstrecke zum Ziel und das Ziel selbst erörtert
werden. Wir nennen diese Lehre eben Eschatologie. Das Wort von den Letzten »Dingen«
ist in hohem Maße missverständlich. Denn im Grunde sind sie gar keine Dinge,
sondern Begegnungen, nämlich solche der Schöpfung, namentlich des
Menschen, mit Gott dem Schöpfer. Die Begegnung geschieht von Angesicht zu
Angesicht. Da Gott die Liebe ist, ist die Begegnung mit ihm eine Begegnung mit
der Liebe. Die absolute Zukunft heißt Liebe (für alle, die sich Gott, der
Liebe, nicht verweigern).
Die Eschatologie steht, wie diese
Andeutungen zeigen, im spannungsvollen Gegensatz und Zusammenhang mit der
Protologie, d. h. mit den ersten »Dingen« (Schöpfung, Sündenfall und
dessen Folgen). Der Weg von dem Ersten zu dem Letzten ist Jesus Christus und
das menschliche Freiheitshandeln.
Wie diese kurzen Bemerkungen zeigen, kann
die Eschatologie nicht, wie es in früheren Zeiten der Fall war, als eine Art
Anhang zu den übrigen theologischen Themen verstanden und nicht als solcher
behandelt werden. Sie beherrscht und prägt vielmehr das Ganze der Theologie.
Jede theologische Aussage trägt eschatologisches Gepräge. Insofern sie an den
Endereignissen nicht weniger als an den Geschehnissen der Vergangenheit
orientiert ist, erschließt sie den End-Sinn der Heilsgeschichte. Protologie und
Escha-
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tologie sind unlöslich miteinander
verflochten. Dies ist allerdings nicht so zu verstehen, als ob die Eschatologie
einfach die volle Entfaltung der Protologie wäre. Denn die Zukunft ist nicht
nur durch die Vergangenheit bestimmt, welche Gott gesetzt hat, wenngleich
diese die Grundlegung ist. Sie bringt vielmehr während des ganzen Ablaufs der
Geschichte immer wieder Neues und Unerwartetes. Das Unerwartete ist geradezu
entscheidend für das Verständnis des Christlichen. Insbesondere ist darauf
hinzuweisen, dass die göttliche Planung vielfach durchkreuzt wird durch den
menschlichen Widerspruch, dessen Ermöglichung die Freiheit des Geschöpfes
darstellt. Am stärksten wird die Tatsache, dass Eschatologie nicht einfachhin
die Entfaltung der Protologie ist, daraus ersehen, dass die Zukunftsbewegung
an eine Grenze stößt, den Tod. Ohne den Tod gibt es keine absolute Zukunft.
Die letzte Zukunft ist der Grund, um
dessentwillen alles geschah, was in der Vergangenheit geschah. Auf sie kommt es
letztlich an. Ihr dient alles. Nichts ist um seiner selbst willen oder aus der
Entfaltungskraft des Vergangenen geschehen. Alles drängt ständig über sich
hinaus nach vorne, nach dem noch Unbekannten und dennoch Ersehnten, nicht nur in
horizontaler Linie, sondern vor allem in vertikaler.
In Gottes ewigem Heilsplan war die letzte
Vollendung durch Jesus Christus, näherhin durch seinen Tod und seine
Auferstehung als das unüberholbare Ziel gewollt. Diesem ist alles, was es in
Kirche und Welt gibt, zugeordnet. Die Bewegung ist durchwirkt vom Heiligen
Geist, den Jesus Christus nach seiner Aufnahme in die Herrlichkeit des Vaters
gesandt hat. Alle diese Vorgänge spielen sich nicht im Vordergrund der
menschlichen Geschichte ab, wenngleich sie vielfach indirekt erfahren werden
können. Die gesamte
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Welt, die Geschichte
und die Heilsgeschichte, auch die Geschichte der nichtchristlichen Religionen
sind eine einzige unaufhaltsame Strömung in die letzte Zukunft hinein. Über
diese hinaus gibt es kein weiteres menschliches Ziel. Ein solches zu erwarten,
ist sinnlos.