Vorwort

 

In den letzten Jahren sind zahlreiche Werke über den Tod und die »Letzten Dinge« erschienen. Dies ist begreiflich. Der weitgehende heutige Sinnverlust zwingt zu der Frage, ob das Leben überhaupt einen Sinn hat, und lässt Aufsätze und Bücher hierüber wie Pilze aus dem literarischen Boden schießen. Keine ge­ringe Rolle spielen dabei die katholischen Werke, in denen der Tod und der ewige Sinn des Lebens behan­delt werden. Am stärksten wurden in unseren Tagen die Bücher von Erzbischof Joseph Kardinal Ratzinger (bei der Abfassung des diesbezüglichen Buches noch Professor an der Universität Regensburg) auf der ei­nen Seite und die Veröffentlichung von G. Lohfink und G. Greshake auf der anderen beachtet. Ich habe diese Bücher schon in der ersten Auflage meines Werkes »Der Glaube der Kirche« andeutungsweise verwendet. In der vorliegenden zweiten Auflage soll das anstehen­de Problem ausführlicher erörtert und eine klare Stel­lung bezogen werden. Da diese gegenüber der ersten Auflage eine starke Änderung darstellt, entschloss ich mich, das noch fehlende letzte Bändchen meines »Glaubens der Kirche« zu edieren, obwohl der Bücher­markt für das Thema reich bestückt ist. Ich möchte nicht verschweigen, dass vor kurzem leider eine Über­setzung der 1.Aufl. sowohl italienisch als auch portu­giesisch (Brasilien) erschienen ist, obwohl den Verla­gen bekannt war, dass eine zweite, sehr veränderte Auflage im Erscheinen begriffen war.

Ich werde in der vorliegenden Auflage bis zu einem gewissen Grade auch meine frühere, seit langem völlig vergriffene »Katholische Dogmatik« sowie mein um­fangreiches, im Jahre 1948 vom Verlag Regensberg in Münster/Westfalen herausgebrachtes Werk »Von den

 

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Letzten Dingen« einbeziehen, um so mehr, weil diese Arbeit einige Probleme behandelt, die inzwischen gro­ße Aktualität gewonnen haben, sodann aber, weil sie in den Wirren der Nachkriegszeit nur wenig bekannt ge­worden ist, obwohl sie inhaltlich eine relativ große Reichweite besitzt und auch in das Italienische über­setzt wurde.

Ein Buch über die Letzten Dinge stellt die Zusam­menfassung und die Vollendung dessen dar, was In­halt des ganzen christlichen Glaubens ist. In ihm strö­men alle theologischen Wege und Linien zusammen. Die Methode, einen Abschnitt über die Letzten Dinge an den Schluss eines dogmatischen Werkes gewisser­maßen als Anhang hinzustellen, ist längst überwun­den. Es ist bei der Edition einer Darstellung der Letzten Dinge zu erwarten, dass die verschiedenen Interpreta­tionen der einzelnen Glaubensinhalte sich nicht nur zur Synthese verbinden, sondern auch aufeinandersto­ßen. Dies ist kein Schaden. Das Entscheidende liegt darin, dass in der heutigen weithin christlichen und an­ti­christlichen Welt die miteinander disputierenden Au­toren im weiten Felde des Glaubens verbleiben. Ge­genüber dieser Grundforderung stellen die Differenzie­rungen in der Auslegung des eschatologischen Glau­bens im allgemeinen verschiedene Perspektiven und Aspekte heraus, die einander nach dem heute fast in allen Wissenschaften herrschenden Prinzip der Komplementarität einander ergänzen und das wissen­schaftliche Unternehmen zur Ganzheit integrieren. Es sei, um ein Beispiel anzuführen, nur verwiesen auf die katholischen Theologien, welche im hohen Mittelalter hervortraten und uns unter den Namen Thomas von Aquin und Bonaventura überliefert sind (für Thomas siehe neustens die bei C.H. Beck herauskommende, von vielen Fachleuten getragene Reihe »Klassiker der Theologie«. Bisher ist erschienen Band I: Von Irenäus

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bis Martin Luther, 1981; der Artikel über Thomas von R. Heinzmann).

Eine methodische Änderung des vorliegenden Wer­kes gegenüber der ersten Auflage ist dadurch vorge­nommen worden, dass die persönliche, den einzelnen betreffende Eschatologie der allgemeinen, der Schöp­fungsvollendung, vorangestellt wird. Natürlich müs­sen die für die Eschatologie im Ganzen in Frage kom­menden Probleme der Unterscheidung in persönliche und allgemeine Eschatologie vorangestellt werden. Der Grund für die Änderung ist folgender: Die Schrift selbst spricht in ihren Kernaussagen das ewige Heil oder Unheil des einzelnen an. Ebenso geht die kirchli­che Lehre, wenigstens seit der Enzyklika »Benedictus Deus« von Papst Benedikt XII. (1336) von dem Einzel­nen aus. Dieses Verfahren dürfte auch der heutigen Mentalität entsprechen, die gegenüber dem Sog des Kollektivismus gerade um den Einzelnen, sein Schick­sal und seine Freiheit besorgt ist. Auf diese Weise wird auch noch stärker, als es in den bisherigen Bänden der Fall war, die personalistische Grundtendenz des Ge­samtwerkes verwirklicht.

Es soll an dieser Stelle noch kurz von einer anderen als der in diesem Werke behandelten Auffassung von Eschatologie die Rede sein. Seit einiger Zeit wird das Wort dahin verstanden, dass es das Kommen der Of­fenbarung, vor allem das Kommen Christi, den Anbruch der Gottesherrschaft meint (R. Bultmann). Für den Menschen ist danach die durch Christus eingelei­tete Epoche die »Situation der Entscheidung«. Die letzte Stunde ist nicht Zukunft, sondern jeweilige Ge­genwart, das »Letzte« ist im »Jetzt« schon gegenwär­tig. In Christus finden Sünde und Tod ihr Ende. Er be­deutet Entscheidung, Krise, Gericht. Christus stellt uns mit seinem Wort in die letzte Stunde (P. Althaus, Die Letzten Dinge, 5. Aufl., Gütersloh 1949). Im fol-

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genden wird das Wort Eschatologie im traditionellen Sinne verstanden. Die vielen Änderungen erlauben es, beinahe von einem neuen Buch zu sprechen.

Wie in allen bisherigen Bänden muss ich auch für den vorliegenden Teilband vielen Helfern meinen herz­li­chen Dank aussprechen. Er gilt an erster Stelle Frau Dorle Buchbauer, die in unermüdlicher und selbstloser Weise die Herstellung des Manuskriptes erarbeitete. Ferner habe ich Frau Eise Minga und meiner Nichte Eli­sabeth Hölzl wichtige Hilfen zu verdanken, sei es durch die Beteiligung an der Korrektur, sei es auch durch Mitwirkung am Manuskript. Für die Korrekturen haben sich in besonders wirksamer Weise verdient ge­macht Frau Reg.-Direktorin Monika Stoermer, Syndika der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, so­wie Herr Franz Echterhoff - Recklinghausen. Dieser hat in un­er­müdlichem Einsatz auch schon begonnen, die in Aussicht gestellten Register herzustellen. Ihm ist daher das ganze Werk in einer tiefen Verpflichtung verbunden. Außerdem danke ich Herrn Ministerialrat Kurt Paintner. Für wertvolle Hinweise in Ökumenischer Hinsicht während der ganzen Zeit der Drucklegung bin ich Herrn Professor G.Koch SJ, Marburg, Beauftrag­ter für ökumenische Fragen, und seiner Mitarbeiterin, Frau Dr. Annamarie Cloer, zu Dank verpflichtet. Nach Voll­endung der zweiten Auflage meines Buches, die wesentlich umfangreicher wurde, als Verlag und Autor ursprünglich beabsichtigten, möchte ich noch einmal dem EOS-Verlag der Erzabtei St.Ottilien von Herzen danken. Ohne seine Bereitschaft und seine nie versa­gende Opferwilligkeit hätte das Werk nicht erscheinen können. Mein Dank konzentriert sich auf P. Dr. Bern­hard Sirch und auch auf seinen Mitarbeiter, Herrn Lorenz.

Ostern 1982

Michael Schmaus

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