bb) Der katholische Philosoph Baader

F. v. Baader {1765—1841} stellt den Glauben über die Vernunft. Die Vernunft ist in ihren Spekulationen durch den Primat des Glaubens geformt. Das Böse wurzelt in Gott als seinem Urgrund. Dies hat zur Folge, daß das Böse jedem menschlichen Willensakt voraus­geht. Der Mensch wurde nicht als Bild Gottes geschaf­fen, er ist vielmehr für die Sohnschaft und für das Bild ausgestattet, nicht mehr. Erst durch die bestandene Versuchung kann er Bild und Sohn werden. Durch die Sünde ist in den Menschen der Zustand der Spaltung und Entzweiung eingetreten. Erlösung ist die Versöh­nung des Menschen mit sich selbst.

3. Die Gegenwart

Um den belgischen Philosophen Marechal {1878 bis 1944) bildetete sich eine transzendental theologische Schule, welche die Neuscholastik überwinden wollte. Die dazugehörige Gruppe von Theologen befaßte sich vor allem mit der Frage, ob eine übernatürliche, philo­sophisch beweisbare Ausrichtung des Menschen auf die Visio besteht (vor allem F. H. Lubac, Karl Rahner). Man darf annehmen, daß ein Satz in der Enzyklika »Humani generis« (1950) als Antwort auf die in der ge­nannten Diskussion zutage getretenen Thesen zu beurteilen ist. Er lautet nämlich, daß Gott den Men-

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sehen nicht mit Notwendigkeit für die unmittelbare Gottesschau bestimmt hat. Er hätte für ihn wohl auch ein endgültiges niedrigeres Ziel vorsehen können. Man sieht, daß im Hintergrund dieser Auseinandersetzun­gen das im 19. Jahrhundert immer stärker hervortre­tende Problem von der Gratuität der Gnade steht, d. h. von der ursprünglichen absoluten Freiheit Gottes, dem Menschen nach seinem ewigen Heilsplan Gnade zu geben oder ihn in seinem natürlichen Wesen existieren zu lassen. Diese These ist von der spätscholastischen Lehre von Gottes Freiheit, wie man leicht sieht, we­sensverschieden.

  

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