2. Biblische Freiheitszeugnisse
Die Heilige Schrift setzt die Wahlfreiheit im Sinne des Wahlvermögens voraus. Sie fordert implizit bis zu einem gewissen Grade auch die übrigen genannten Freiheitsformen, legt aber für sie kein formelles Zeugnis ab. Es liegt jedoch in der Richtung des biblischen Menschenbildes, wenn man erklärt, daß auch diese Freiheiten für ein menschenwürdiges Leben erforderlich sind. Indirekt sind sie auch hervorgehoben, wenn der Mensch als Bild Gottes bezeichnet wird, zunächst im AT, vornehmlich aber im NT. Sie sind auch von grundlegendem Gewicht für den Vollzug der eschato-fogischen Freiheit. Denn nur wenn sie bestehen, gibt es Sünde und Verantwortung, Belohnung und Strafe sowie geschichtliches Handeln Gottes mit den Menschen.
3. Eschatologische Freiheit
Was den Kern der biblischen Freiheitslehre ausmacht und von ihr formell bezeugt wird, ist die »Freiheit der Kinder Gottes«. Danach ist nur jener wahrhaft frei, welcher imstande ist, das Gute vor Gott, das Gott Wohlgefällige, das Menschenwürdige, das zum ewigen Heil Führende zu tun. Durch die Sünde, sei es die Erbsünde, sei es die persönliche Sünde, ist das Wahlvermögen nach dem katholischen Glauben nicht völlig
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verlorengegangen. Es wurde jedoch verwundet und geschwächt. Die Sünde, d.h. der Hochmut, die Herrschsucht, die Machtgier, das Geldverlangen, schwächt die Freiheitskraft, wenn sie diese auch nicht, wenigstens im allgemeinen, völlig zerstört.
Verlorengegangen ist die eschatologische Freiheit. Sie bleibt jedoch für ihre Wiederherstellung offen. Der Sünder kann sie aus seiner eigenen Kraft heraus nicht wiedergewinnen. In ihm lebt die Tendenz zum Bösen {böse Konkupiszenz). Von ihr wird er getrieben, nicht das Gute, sondern das Böse zu tun. Insbesondere ist er unfähig, das vor Gott geltende, dem Heile dienende Gute zu verwirklichen.
Um hierzu wieder fähig zu werden, bedarf es der Bekehrung. Der der Sünde verfallene Mensch wird erst durch Gottes Einwirken wieder frei von dem Drucke des Bösen. Nur der von Gottes Heilswirken bestimmte Mensch gewinnt diese Freiheit (Joh 8,31 -36; vor allem der Galaterbrief, etwa 2,4; 5,1; ebenso zahlreiche Stellen im Römerbrief).