2. Die Väter
Die Kirchenväter haben sich begreiflicherweise zunächst mit der Wiederholung der Schrifttexte begnügt. In der Auseinandersetzung mit dem Gnostizis-mus mußten sie jedoch das Schriftzeugnis entfalten. Dabei lag ihnen am Herzen, gegenüber dem gnosti-schen Irrtum von der Naturhaftigkeit des Guten und des Bösen die Willensfreiheit zu unterstreichen. Sie haben sorgfältig unterschieden zwischen der in der menschlichen Natur liegenden Freiheitsgabe und der Freiheit der Kinder Gottes.
Im Kampf gegen die Arianer wurde der Heilige Geist Prinzip der menschlichen Heiligkeit genannt. Man hat daraus, daß er die Menschen heilig macht, seine Gottheit bewiesen. In der Theologie Augustins begegnet uns ein Umschlag in der Freiheitslehre. Er legt alle Akzente auf die Gnade, angetrieben durch den Pelagia-nismus mit seiner Lehre von der natürlichen Sittlichkeit. Luther und andere Streiter für die Gnade haben sich später auf den Doctor gratiae in der Väterzeit berufen. Augustinus mußte gestehen, daß seine theologischen Vorgänger sorgloser redeten, als ihm erlaubt sei, da ^u ihrer Zeit der Streit um die Gnade noch nicht entfacht gewesen sei. Die Spannung zwischen der
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Freiheitslehre der griechischen Vater und der Gnadenlehre Augustins innerhalb der alle zur Einheit verbindenden Schriftaussagen hat der kommenden Theologie die Wege gewiesen. Hier war die Aufgabe gestellt, die beiden Elemente m ein Ganzes zu integrieren. Die Aufgabe ist nur teilweise erfüllt worden, nicht nur insofern der Reformationstheologie die Gnade so sehr am Herzen zu liegen schien, daß sie die Freiheit des Menschen übersah, während umgekehrt die katholische Kirche auf dem Konzil von Trient trotz ihrer Betonung der Gnade die Anwältin der Freiheit zu sein schien, sondern auch insofern sich innerhalb der katholischen Theologie aufgrund der je verschiedenen Akzentuierung von Freiheit und Gnade gegensätzliche Schulrichtungen bildeten.