4. Kapitel

Ohne Gnade kein Heil (Notwendigkeit göttlicher Gnade für das Heil)

1. Die Schrift

Ohne die göttliche Initiative ist dem sündigen Men­schen eine Bewegung auf das Heil hin, d.h. auf den Dialog mit Gott hin, nicht möglich. Jesus verlangt eine Gerechtigkeit, die vollkommener ist als jene der Schriftgelehrten und Pharisäer (Mt 5,20). Sie ist dem nach Geld, Lust und Ruhm verlangenden Menschen nicht möglich. Zu ihrer Verwirklichung bedarf es viel­mehr der Allmacht Gottes, des Heiligen (Mt 19,23-26; Mk 10,23-27). Der Mensch hat von sich aus keine schöpferische Kraft zur Verwirklichung dieser Heilig-

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keit, zur Aufrichtung der Herrschaft Gottes. (Er kann darum, daß Gott sich in ihm durchsetzt [Mt 7,7-10], auch nur beten aus Gnade.) Der Vater verwirklicht sei­ne Herrschaft durch Christus im Heiligen Geiste (Lk 11,13). Nur diejenigen, weiche Christus zu sich ruft, können seiner Freundschaft teilhaftig werden. Nie­mand kann von sich aus Christus als Freund wählen. Er, nicht der Mensch, ist der Rufende (Joh 15,16). Er führt alle anderen zum Vater. Ohne ihn kann keiner da­hin kommen (Joh 15,1-5; siehe Joh 6,44ff; vgl. auch Lk 1,45-55).

Insbesondere ist Paulus der Prediger der Gnade, oh­ne die der Mensch keinen Schritt auf dem Wege des Heiles tun kann (Rom 3,22-28). Auf das Erbarmen Gottes kommt alles an (Rom 9,16). Das ewige Leben ist Gnade, nicht Frucht selbstherrlichen Schöpfertums (Rom 6,23), Der der Sünde verfallene Mensch ist Knecht der Sünde (Rom 6,17; 8,5-8). Wer ewiges Le­ben ernten will, muß auf den Geist säen. Nur der Heili­ge Geist kann das Leben schenken (Gal 6,7f). Gott ist es, der das Heilswerk in jedem Menschen beginnt (Phil 1,6). Er allein kann die Saat wachsen lassen (1 Kor 3,6). Ohne sein Licht und seine Liebe gibt es kein Ver­ständnis und kein lebendiges Interesse für das Werk Christi. Nur der vom Heiligen Geist Erleuchtete kann erkennen, was ihm von Gott geschenkt ist. Dem ande­ren erscheint die Botschaft von Christus, in welchem die Weisheit und die Kraft Gottes erschienen sind, als Torheit und Schwache fl Kor 2,10-16; Rom Iff). Nur im Geist kann der Mensch Jesus als den Herrn anru­fen, d.h. in lebendige Beziehung zu Christus treten (1 Kor 12,3). Schöpferisches Handeln, ein für das ewige Leben fruchtbares Tun, gibt es nur im Heiligen Geist (Eph 3,9f). Auch der erste Schritt auf dem Wege zum Heil ist Gnade (Apg 16,14; Phil 1.29; 2,13; Joh 6,44).

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Der Glaube, in welchem der Mensch Christus als den menschgewordenen Gottessohn ergreift, ist nicht Menschenwerk, sondern Gottesgeschenk (Eph 2,8f}. Das rechte Verständnis Christi und das Ja zu ihm stammt nicht aus der menschlichen Natur, sondern vom Vater, der im Himmel ist (Mt 16,17). Andere ver­wechseln das Geistwirken mit Anomalitäten oder psy­chischen Krankheiten (H. Volk, Der Christ als geistli­cher Mensch, 1974).

  

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