3. Kapitel
Gottes Wirken in der »aktuellen« Gnade (Tatgnade)
7. Begriffserklärung
Aufgrund seines ewigen göttlichen Erwählungswil-lens setzt Gott den sündigen Menschen auf sein ewiges Heil hin in Bewegung. Dies geschieht in der sogenannten aktuellen (wirkenden) Gnade und zwar gemäß der jeweiligen Situation des Menschen. An sich ist jede Gnade wirksam. Eine rein statische Gnade gibt es nicht, auch nicht im Lebensvollzug des »Himmels«. Man hat sich jedoch die Sprachregelung angewöhnt, im Gegensatz zur habituellen (bleibenden) Gnade von einer aktuellen zu reden. Die erste meint eine von Gott gewirkte bleibende Beschaffenheit (geistliche Qualität) des Menschen, die zweite eine vorübergehende göttliche Bewegung zu einer Heilshandlung. Das Wort »aktuell« unterscheidet sich in dieser Verwendung von unserem Alltagsgebrauch, insofern wir bei diesem unter »aktuell« eine gerade von einer bestimmten Situation geforderte oder ihr angemessene Handlung oder Meinung verstehen. Insofern die Heilshandlungen, falls sie sinnvoll vollzogen werden, nicht beliebiges, sondern das von der augenblicklichen Lage geforderte Tun sind, schwingt der Alltagssinn in dem theologischen Wort mit.
2. Akt und Qualität des menschlichen Handelns
Die aktuelle Gnade erfaßt ein Zweifaches: Gottes Handeln am Menschen selbst und die durch dieses
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hervorgebrachte vorübergehende Qualifizierung des Menschen, die zu einem bestimmten Tun befähigt. Es mag der Klärung dienen, wenn die aktuelle Gnade herkömmlich unterschieden wird in eine tätige und eine nichttätige, in eine anregende und eine beistehende, in eine zuvorkommende, eine begleitende und eine nachfolgende. Es ist immer ein und dieselbe Gnade; sie wird jedoch in dieser Terminologie nach ihren verschiedenen Funktionen im Menschen betrachtet, je nachdem sie im Menschen ein Ziel erreicht oder den Widerstand des Menschen heraufruft und in diesem Sinne für den Menschen unfruchtbar bleibt oder sogar verhängnisvoll wird.