3. Nochmal der »G na den streit«

Im sogenannten »Gnadenstreit« (J597 1607) konn­te keine Lösung gefunden werden. Jede der beiden Gruppen (Thomismus und Molinismus) berief sich auf Schriftaussagen, und zwar mit Recht. Dies war mög­lich, weil die Schrift dialektisch spricht. Dies aber be­deutet, daß die Berufung auf die Schrift für unser Pro­blem keine durchschlagende Aussage macht. Sie be tont jeweils die Allmacht und die Freiheit Gottes auf der einen und die Freiheit des Menschen auf der ande­ren Seite. Für ihre wahre Interpretation ist eine kom­plementäre Methode notwendig. Diese aber steht nicht im Horizont der Bibel. Die Einheit von Allmacht und Freiheit ist im Geheimnis, das Gott selbst ist, für

56

 

den Menschen verborgen. Beide Schulen zählen her­vorragende Vertreter in ihren Reihen, Sie haben je­doch den Geheimnischarakter des Problems nicht hin­reichend gewürdigt. In unserem Falle ist das Wort an­gebracht: Wir wissen nicht und werden nicht wissen. Das Erbarmen und die Liebe Gottes sind jedoch un­endlich.

  

Zurück zum Inhaltsverzeichnis Band VI-1