2.
Kapitel
Gottes Souveränität und menschliche Entscheidung
/.
Das Problem
Die Einbeziehung der menschlichen Freiheit in die göttliche
Prädestination ruft das bis heute und
wohl für alte Zukunft unlösliche Problem hervor, was der Grund für die vollständige
Prädestination zum Heile ist. In seiner Behandlung tritt ein in den früheren Bänden
behandeltes Geheimniselement wieder in Erscheinung, die Frage nämlich nach
dem Grunde des göttlichen Wissens hinsichtlich der freien geschöpflichen Handlungen.
2.
Schulmeinungen
Innerhalb der auf das Konzil von Trient folgenden Theologie
haben sich vor allem zwei Schulmeinungen entwickelt,
die thomistische und die molinistische. Nach der im Anschluß an Thomas
(wie der Thornis-mus glaubt) vertretenen Erklärung erreichen die Menschen die
letzte Vollendung, weil Gott dies mit einem unbedingten
Heilsratschluß bestimmt. Er wird von ihm gefaßt ohne Voraussicht der
menschlichen Verdienste (ante praevisa merita). Diese Formel bedeutet, daß
Gott ohne auf die Verdienste des Menschen zu schauen, den Himmel für
sie plant. Aufgrund dieses seines Heilsplanes bestimmt er für
die von ihm für die Vollendung Ausersehenen
jene Gnaden, welche mit unfehlbarer Sicherheit zum letzten Heile hinführen.
Diese Konzeption hat ihre Ausgestaltung durch den spanischen
Dominikaner D. Banez (1528—1604) erhalten.
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Die zweite Theorie, der nach L. Molina (gest. 1680) genannte Molinismus, heute wohl von der Mehrzahl der Theologen vertreten, nimmt eine »vollständige« Vorherbestimmung zur Vollendung aufgrund der vorhergesehenen Verdienste des Menschen an. Gott sieht danach, was jedes vernunftbegabte Geschöpf in jeder Heilsordnung tun könnte und tut. Wie er, ohne seine Souveränität einzubüßen, dies sieht, wird von den Vertretern der These verschieden erklärt. In unergründlichem Ratschluß wählt Gott aus den möglichen Heilsordnungen jene konkrete Ordnung aus, in der wir leben. Sie gibt jedem vernunftbegabten Geschöpf die Möglichkeit, das Heil zu gewinnen. Gott weiß aber, ob der konkrete Mensch die ihm gebotene Heilschance wahrnimmt. Sein Ratschluß, die konkrete Heilsordnung zu wählen, begreift den Willen in sich, jenen Menschen, welche die Möglichkeit des Heues verachten, der ewigen Verwerfung anheimfallen zu lassen. Ob und wie oft solches geschieht, ist uns unbekannt.