3. Augusl/nus
In der Väterzeit war man von der Altgemeinheit des göttlichen Heilswillens tief überzeugt. Augustinus scheint in seinem Kampf gegen den Pelagianismus und auch gegen den Donatismus zu der Vorstellung von einem partikulären Heilswillen Gottes getrieben worden zu sein und mußte daher den Text 1 Tim 2,4 in einer sehr künstlichen Weise interpretieren. Die Kirche ist über diese Lehre Augustins stillschweigend hinweggeschritten. Sie wirkte aber in der Reformation und auch in den Gnadenstreitigkeiten der Neuzeit nach. Vielleicht hat auch der deutsche Mönch Gottschalk im 9. Jahrhundert in unserer Frage zu schroffe Ansichten vertreten (DS 621 624).
Wie in jedem irrtum, so liegt auch in den Thesen Augustiris, Gottschalks und anderer ein Wahrheits kern, die Wahrheit nämlich von der absoluten Souveränität und der völligen Unabhängigkeit Gottes. Er ist der deus absconditus.
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Aber auch der Freiheit des Menschen wird in der Schrift und in der christlichen Überlieferung eine außerordentliche Tragweite zugesprochen. An ihrem Gebrauch entscheiden sich Himmel und Hölle. Die nach-tridentinischen Theologen versuchten, allerdings ohne wirklichen Erfolg, die Differenz innerhalb des göttlichen Heilswillens terminologisch mit Hilfe der Ausdrücke von der »vollständigen« und der »unvollständigen« Prädestination zu erklären. Der zehn Jahre dauernde Gnadenstreit wurde von dem damaligen Papst nur dadurch beendigt, daß er erklärte, er werde zu gegebener Zeit eine Entscheidung fällen. Diese ist bis heute, also nach etwa 300 Jahren noch nicht erfolgt und wird nie erfolgen können.
Für unsere Frage ist es von großem Gewicht, daß die göttliche Heilsbestimmung naturgemäß an der Struktur des göttlichen Geisteslebens teilnimmt. Sie ist ewig und unwandelbar. Ihre Unwandelbarkeit lastet auf den Menschen nicht wie ein unentrinnbares Schicksal. Das Problem der Prädestination kann zwar infolge des Geheimnischarakters Gottes nicht wie eine Aufgabe im naturwissenschaftlichen Bereich gelöst, wohl aber im Vertrauen auf die Liebe und Barmherzigkeit Gottes getragen werden (vgl. 2 Petr 1,10; 1 Petr 5,5ff. Siehe Bd. 4,1). Die »Unwandelbarkeit« Gottes hindert nicht die »Bewegung« auf den Menschen hin, sie setzt Gottes ewiges Erkennen voraus. Zudem ist Gott nicht unwandelbar wie ein Fels, sondern als ewiges Leben.
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