2. Problematik

Wenn manche Schrifttexte sowohl des AT als auch des NT, hier wiederum vor allem im Johannesevange­lium (Job 6,44. 65; 8,43-47; 12,39f; 13,18; 15,25) und in den pauiinischen Briefen (Rom 9-11), Gott einen partikulären Heilswillen, ja gewissermaßen eine Will­kür hinsichtlich der für das Heil bestimmten Menschen zuzuschreiben scheinen, so darf man nicht die hierzu dialektisch im Gegensatz stehenden Schriftaussagen übersehen. Die Texte haben jeweils einen verschiede­nen Gesichtspunkt im Auge. Wenn Gottes Heilswille auch allen Menschen zugewandt ist, so wird das Heil doch niemandem aufgedrängt. Gott bietet das Heil wirksam an. Der Mensch bleibt jedoch auch unter der Wirksamkeit eines solchen Angebotes frei. Es ist sei­ner Entscheidung anheimgestellt, ob er in den Dialog mit Gott eintreten oder in hochmütiger Isolierung seine endgültige Lebensform finden will (siehe z.B. Joh 3,19; 5,40; 6,29; 9,41; 12,43-47; 19,19).

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Hin und wieder ist auch in solchen partikulär er­scheinenden Texten von der Bereitschaft die Rede, die Christusoffenbarung anzunehmen oder nicht (Rom 9,11). Damit ist aber noch kein prinzipielles Urteil ge­fällt über das transzendente Heil. Die Schrift lüftet den Schleier nicht, der über der Begegnung von göttli­chem Ruf und menschlicher Antwort liegt. Sie betont vielmehr die Transzendenz und die Verborgenheit Got­tes vielfach so radikal, in analoger Weise aber auch die Tragwette der menschlichen Freiheit, daß der An­schein entsteht, als ob sie nur das eine oder das ande­re Element anerkennen würde. In Wahrheit sind alle ih­re Aussagen komplementär auf eine höhere, unserem Erkennen unzugängliche Synthese hin zu verstehen.

  

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