4. ABSCHNITT Der allgemeine göttliche Heilswille
/. Kapitel Seine Wirklichkeit
/. Identität des göttlichen Heilswillens und des Gnadenwillens
Im Hintergründe aller unserer Überlegungen steht die ewige göttliche Heilsbestimmung für jeden einzelnen Menschen. Wenngleich Gott sich nach dem Ausweis des AT und des NT der menschlichen Gemeinschaft zuwendet, so hat er doch jeden einzelnen im Blicke seiner Liebe, nicht als einen Isolierten, sondern als einen wesenhaft in die gesellschaftliche Ordnung Eingefügten. Der ewige göttliche Heilswille für den einzelnen wird »Vorherbestimmung« (Prädestination) genannt.
Die Allgemeinheit des göttlichen Heilswillens fällt zusammen mit der Allgerneinheit des göttlichen Erlösungswillens. Er hat seine Wurzel in jenem Liebeswillen, der Gott den Vater veranlaßt hat, durch seinen Sohn im Heiligen Geist in seinem Schöpfungsakt ein von ihm verschiedenes Seiendes hervorzubringen. Alle Dinge tragen infolge ihrer Herkunft von Gott den Stempel seiner Liebe. Es würde der Existenz und dem Sinne eines jeden Seienden aus dem grundlosen Urgründe als der grundlosen Liebe widersprechen, wenn
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Gott nicht das Heil, sondern das Unheil auch nur eines einzigen Geschöpfes woüte. Heil und Unheil sind in dieser Sicht eschatologisch, d.h. von der absoluten Zukunft her zu verstehen. Man müßte in dieser Sicht geradezu dämonische Züge in Gott annehmen bzw. einen bösen und einen guten Gott.
So erscheinen die Schrifttexte, welche ausdrücklich den allgemeinen göttlichen Heilswillen bezeugen, als selbstverständlich. Sie transzendieren allerdings die dem Menschen sich aufdrängende Selbstverständlichkeit, indem sie den hohen, alle menschlichen Kräfte überschreitenden Rang des von Gott geplanten Heiles verkündigen (1 Kor 2,9; Dtn-Jes 64,4; 1 Tim 2, 1-7; 4,10).