3. Äußere und innere Gnade
Tiefgreifend ist der Unterschied zwischen äußerer und innerer Gnade. Die erstere ist ein äußeres Werk des göttlichen Heilswillens, durch das der Mensch zum Glauben, zur Hoffnung und zur Liebe aufgerufen wird. Man kann dazu rechnen etwa die Verkündigung des Wortes Gottes, die Beispiele der Heiligen, die Beseitigung der Gelegenheit zur Sünde. Die innere Gnade ist jene, welche das menschliche Ich berührt und verwandelt, indem sie es in eine neue Existenzordnung führt. Die äußere Gnade nützt nichts ohne die innere. »Wer behauptet, wir könnten der Verkündigung der guten Botschaft zustimmen ohne die Erleuchtung und Einhauchung des Heiligen Geistes, der wird von einem ketzerischen Geiste betrogen« (Synode von Orange 529, Kanon 7 D. 180). Es ist jedoch anzunehmen, daß die äußere Gnade sich immer mit der inneren verbindet. Indem z. B. das Wort Gottes verkündet wird, wird von Gott zugleich das Herz des Hörers erleuchtet, so daß man der Wortverkündigung gewissermaßen eine Art sakramentaler Wirksamkeit zuschreiben kann.
4. Heiligungsgnade und Amtsgnade
Für das Verständnis der Kirche ist von großer Bedeutung die Unterscheidung von Heiligungsgnade und Amtsgnade fgratia gratum faciens und gratia gratis da-ta}. Die erstere bedeutet Rechtfertigung und innere Heiligung des Empfängers (Individualgnade). Die letztere bewirkt die innere Befähigung und Ermächtigung eines Einzelmenschen zur Vornahme bestimmter Handlungen, die zunächst nicht auf seine eigene Heiligung und sein eigenes Heil, sondern auf die Heiligung und das Heil anderer abzielen (Kollektivgnade). Die
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Amtsgnade befähigt also den Menschen, Werkzeug Christi für bestimmte Heilshandlungen zu sein. Indivi-dualgnade und Kollektivgnade verbinden sich normalerweise aufs engste, insofern dem Menschen Gnade für seine Heiligung und für sein Heil durch den Einsatz der Amtsgnaden, d.h. durch die Gemeinschaft des Volkes Gottes, zuteil wird und insofern normalerweise mit der Amtsgnade auch Heiligungs- und Heilsgnade verliehen wird. Doch können die beiden auch getrennt sein. Das ist z.B. der Fall, wenn die Taufe oder die Priesterweihe .an Unwürdige gespendet wird. In der Heiligen Schrift heißen die Amtsgnaden Charismen (1 Kor 12,8). Sie dienen dem Aufbau des Leibes Christi, der Kirche, der Struktur und dem Leben des Volkes Gottes.