9. »Gnadenstreit«

Die vom Konzil von Trient mit gleicher Entschieden­heit vorgetragenen Lehren von der Notwendigkeit der Gnade und der Freiheit des Menschen entfachten bald eine lebhafte, ja eine heftige Diskussion über die Ver­einbarkeit dieser beiden Lehren. Sie ist bekannt als Gnadenstreit (1582-1601). Der mehr metaphysisch denkenden Thomistenschule stand die mehr personali-stisch denkende Molinistenschule gegenüber. Beide Schulen verteidigten je eine Offenbarungswahrheit, die eine die Allwirksamkeit Gottes, die andere die Frei­heit des Menschen. Das Problem wurde nicht gelöst. Der Streit selbst wurde verboten. In seinem Gefolge bildeten sich jedoch die Gnadensysteme. Die Gnaden­terminologie wurde in dem Streit durch die Begriffe gratia sufficiens und gratia efficax bereichert. Gleich­zeitig, im Jansenistenstreit, wurde der Terminus natu-ra pura zur Bezeichnung der reinen, weder von der Erbsünde noch von der Gnade betroffenen menschli­chen Natur geprägt. Als Gegenstück dazu trat eine deutlichere Abgrenzung des »Übernatürlichen« zuta­ge, mit der Gefahr allerdings, daß Natur und »Überna­türliches« allzu sehr voneinander getrennt und nur äu­ßerlich verbunden erscheinen.

10. Heutige Problematik

Die heutige Gnadentheologie ringt vor allem um ei­nen  personalistischen  Gnadenbegriff sowie  um  die Verinnerlichung  der  Gnade,   um  eine  »intrinsezisti sehe« Interpretation der Gnade gegenüber einer wex-trinsezistischen«  (siehe für diese Übersicht J.Auer, Art. Gnade [dogmengeschichtlich], in; H, Fries, Hand buch Theologischer Grundbegriffe !, München 1962,

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553 — 558. Für die heutige Problematik vgl. etwa K. Rahner, Zur scholastischen Begrifflichkeit der unge­schaffenen Gnade, in: Schriften zur Theologie, l, Einsiedeln-Zürich-Köln 1954, 347 — 375. Derselbe, Über das Verhältnis von Natur und Gnade, ebda., 323-345. H. Küng, Rechtfertigung. Die Lehre Kart Barths und eine katholische Besinnung, Einsiedeln 19644. W. Dettloff, Die Lehre von der Acceptatio divi-na bei Johannes Duns Scotus. Werl 1954. Derselbe, Die Entwicklung der Akzeptations- und Verdienstlehre von Duns Scotus bis Luther, Münster 1963. E. Göß-mann, Metaphysik und Heilsgeschichte. Eine theologi­sche Untersuchung der Summa Halensis, München 1964. J. Martin-Palma, 1980. Handbuch der Dogmen­geschichte III 5b).

  

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