2. Der Inhalt
al Gnade bei Paulus
Der Apostel Paulus bietet die ausführlichste Theologie der Gnade. Er verarbeitet in ihr, was ihm von der Urgemeinde überliefert wurde und was er in seiner Christusbegegnung erfahren hat, so daß seine Gnadentheologie eine Synthese von Überlieferung und Erfahrung ist (Gal 1,15). Seine Gnadenverkündigung ist christozentrisch (vgl. Rom 5). Die Gnade besteht vor allem in der Enthüllung der Gottesherrlichkeit, die im Sohne sichtbar wurde. Durch Christus hat Paulus Gnade und Apostolat empfangen (Rom 1,5; 3,24; 5,2; 1 Kor 15,8). Durch die Gnade Christi wird der Mensch zum Glauben berufen {Gal 1,16). Der Erweis von Gottes Liebe besteht darin, daß Christus für uns, da wir noch Sünder waren, gestorben ist (Rom 5,8). Durch den Gehorsam dieses neuen Adam haben wir Zutritt zu Gott (Rom 5,12-21). Der neue Adam vermittelt als der Erstgeborene eines neuen Geschlechtes neues Leben, nämlich die Freiheit von Sünde, Gesetz und Tod. Gnade ist also bei Paulus vor allem Zuwendung des heilschaffenden Gottes zum Menschen. Diese geschieht durch Christus im Geiste. Die Gnade läßt sich erfahren als Sein in Christus. Christus wirkt im Menschen heilshaft durch den Geist. Sein »in« Christus
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und Sein »im« Geiste gehören untrennbar zusammen. Weil die Gnade nach Paulus die heilshafte Zuwendung Gottes zum Menschen ist, erreicht sie ihr Ziel erst in der glaubenden Antwort des Menschen. Selbstmitteilung Gottes an den Menschen und Hingabe des Menschen an Gott bilden eine Einheit. Die Gnade wird vom Apostel nicht objektivistisch als eine in sich ruhende Größe gedeutet.
Die Hinwendung Gottes zum Menschen verändert den Menschen, der sich Gott gläubig anheimgibt, so, daß er Bruder Christi und Sohn Gottes des Vaters wird.
Alle Gnade innerhalb der Geschichte ist ein Angeld für ihre Vollgestalt. Diese tritt ein in der Auferweckung von den Toten. Der letzte und höchste Ausdruck der Gnade ist daher die Auferstehungsexistenz.
Alles, was Paulus über das Thema sagt, läßt sich in dem Worte von der Rechtfertigung des Sünders zusammenfassen.