f) Individuelle Gnade

Auch für den einzelnen trägt Gott Sorge. Er küm­mert sich um die Propheten, die er zu ihrem schweren Dienste beruft (3 Kon 18,15; 8,21-29; 19,1-8; Jer 28,15). Er tröstet sie in ihrer Trübsal (Jer 20,7-13). Er beruft und führt Mose, Josue und David (vgl. P. Bon-netain, Gräce, Suppl. Dict. de la Bible III, Paris 1938, 759-926; besonders 822ff). Er liebt die Gerechten (Sir 51,1-12, Weish 2,21 f; 3,1-12). Er erbarmt sich der Sünder (Hos 6,1-3; Ijob 5,18; Ex 34,7; Ez 18,21 ff; 33,11; Jes55,7; ps 130,3f [129]; ps 50 [51]. W. Eich-rodt, Theologie des Alten Testamentes, l: Gott und Volk, Stuttgart 19575. P. Heinisch, Theologie des Al­ten Testamentes, Bonn 1940, §§ 14, 26, 46, 48, 52).

4, Die menschliche Antwort auf Gottes Huld

Demgemäß hat auch das auserwählte Volk das Ge­fühl, daß alle Güter von Gott kommen. Insbesondere ist in ihm das Bewußtsein lebendig, daß Gott gnädig seine Geschichte formt. Er hat es aus Ägypten befreit und in das Gelobte Land geführt (Ex 15,1-19; Dtn 8,7-17). Von ihm kommt der Sieg Deboras über die Hei­denvölker (Ri 5,2f), die Kraft Samsons (Ri 13-16). Aus sich vermag der Mensch nach diesem Lebensgefühl nichts (Dtn 9,4; 8,17). Er weiß sich als Sünder und hofftauf Gnade (Hos 6,1; Jer 14,20; Bar 2,12). Dieses Lebensgefühl kommt überwältigend zum Ausdruck in den alttestamentlichen Gebeten, z. B. im Gebete Abra-hams (Gen 18,17-33), Jakobs (32,10), im Gebete der Anna (1 Sam 1,11), im Gebete Davids (1 Sam 12,20; 1 Par21,7-13; ps 511, im Gebete Salornons (3 Kg 8,23-61), ganz besonders aber im Gebete des Jeremias (15,10-21; 17,12-18; 20,7-18). Am tiefsten zeigt sich ein solches gläubiges Bewußtsein in den Psalmen.

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Von den Kirchenvätern wurden denn auch die Psal­men als ein umfassendes Gebet um Gnade verstan­den. So hat etwa Hieronymus den Pelagianern, den Leugnern der Gnade, zugerufen: »Lest den Psalter« (Adversus Pelagianum l 5.; PL 23,501). Ob es sich da­bei um ein Gebet des Gottesvolkes im Ganzen oder um das Gebet eines einzelnen Gläubigen, um den Ruf ei­nes Sünders oder eines Gerechten handelt, immer fleht der Gläubige um die Huld Gottes, von dem er al­les Heil erwartet.

  

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