5. Kapitel Gnade im Alten Testament
7. Allgemeines
Das Wort Gnade ist ein Schlüsselwort der Heiligen Schrift. Es drückt das Grundverhältnis Gottes zum Menschen aus. Dabei besteht ein tiefer Unterschied zwischen dem Alten und dem Neuen Testament. Im Alten Testament zeichnet sich die neutestamentliche Botschaft von der Gnade klarer ab als in den außerchristlichen Religionen. Eine deutliche Vorstellung von der übernatürlichen Gnade fehlt jedoch auch hier. Wie das ganze Alte Testament eine Vorbereitung auf das Neue ist und dieses daher im Keime enthält, so hat auch die Lehre von der Gnade ihre Vorläuferin in der alttestamentlichen Offenbarung. Was immer im Alten Testament von der Gnade gesagt ist, ist der vorausgeworfene Schatten der eigentlichen Wirklichkeit, nicht mehr und nicht weniger.
2. Das Wort »Gnade«
Was das Alte Testament an vorbereitenden Elementen enthält, ist die Offenbarung von der Personhaftig-keit Gottes und von seiner liebenden Hinwendung zu den Menschen. Die Worte, mit denen es die gnädige Huld Gottes ausdrückt, lauten: chen und chesed. Das Wort »chen« kommt z.B. vor in der Formel: Er hat Gnade gefunden in den Augen des Herrn. Es bedeutet in dieser Verwendung soviel wie Gunst, Sympathie, Wohlgefallen. Die Gunst kann sich bis zur Gottesgemeinschaft intensivieren (z.B. Gen 6,8; 2 Sam 11,22;
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Am
5,15; Ex 33,12-17). Die Septuaginta übersetzt das Wort
chesed mit dem Ausdruck eleos (Mitleid), die Vulgata mit dem Worte misericordia (Erbarmen), und zwar auch dort, wo
derjenige, dem Gott chesed zuwendet,
des Erbarmens nicht bedürftig ist. Häufig wird chesed zusammengestellt mit dem
Worte emeth - Huld und Treue (Wahrheit;
vgl. Joh 1,14).