6. Neuzeit

Aus dem gleichen Grunde scheidet seit Beginn der Neuzeit die Vorstellung der Gnade immer mehr aus dem Bewußtsein der Menschen aus. Je stärker sich das Freiheitsbewußtsein der Menschen zum gottfreien Autonomiestreben zuspitzt, um so schwächer wird das Bild des gnädigen und hilfreichen Gottes. Völlig versinkt es in jenern Weltbilde, welches die neuzeitli­che Naturwissenschaft mit der Theorie von der ge­schlossenen mechanischen Naturkausalität und die Philosophie mit ihrem Rationalismus aufbauten, nach welchem es in der Wirklichkeit nur gibt, was von der menschlichen Vernunft festgestellt und kontrolliert werden kann. Hiervon macht auch die Hegel'sche Phi­losophie keine Ausnahme. Denn sie sieht in jeder Wirklichkeit nur die notwendige, sich in einem dialekti­schen Prozeß vollziehende Selbstentfaltung des un­persönlichen göttlichen Geistes.

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