4. Die Mysterienreiigionen
Ähnliches gilt von den Mysterien-Religionen. Mitunter freilich gibt es auch hier ein starkes persönliches Vertrauensverhältnis des Mysten zu der Gottheit. So hat sich etwa an der Gestalt der Isis, die zur Allgottheit und zur Himmelskönigin emporwächst, eine lebendige und innige Frömmigkeit entzündet. Das Dankgebet, welches bei Apuleius steht, mag als Beispiel dienen:
»0 du heilige und ewige Retterin des Menschengeschlechtes,
Allzeit gütig spendend den bedürftigen Sterblichen, Du schenkst süße Mutterliebe den Elenden in ihren Nöten.
Kein Tag, keine Nacht, kein kurzer Augenblick vergeht,
ohne daß du deine Wohltaten spendest. Auf dem Meer und auf dem Lande schützest du die Menschen,
verscheuchst die Stürme des Lebens und reichst deine heilbringende Rechte.
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Mit ihr ordnest du die unentwirrbar verschlungenen Fäden des Schicksals,
besänftigst die Launen des Glücks und hemmst der Sterne unheilvollen Lauf.
Dich ehren die Götter droben, dir dienen die Machte der Unterwelt.
Du lassest das Weltenrund kreisen, du erleuchtest die Sonne,
Du herrschest über die Erde, du zertrittst die Hölle. Dir gehorchen die Gestirne, um dich kreisen die Jahreszeiten.
Deiner freuen sich die Gottheiten, dir dienen die Elemente.
Auf deinen Wink wehen die Winde, regnen die Wolken, keimen die Saaten, sprießen die Halme. Vor deiner Majestät zittern die Vögel, die am Himmel wandern,
die wilden Tiere, die in den Bergen schweifen, die Schlangen, die sich in der Erde verstecken, die Ungeheuer, die im Meere schwimmen. Ich aber bin zu gering an Geist, dir Lobpreis darzubringen,
zu arm an Gut. dir Opfer zu erstatten. Mir fehlt der Reichtum der Worte, zu sagen, wie ich deine Majestät empfinde,
nicht reicht ein tausendfacher Mund und eine tausendfache Zunge,
nicht eine ewige Reihe unermüdlicher Rede. So will ich denn tun, was der Fromme, der doch arm ist, einzig kann:
Dein göttliches Antlitz und deine allerheiligste Gestalt will ich in meiner Brust, in geheimer Tiefe erschließen, dort ständig hüten und mir vor Augen stellen« (Met. XI, 25).
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