3. Die Stoa insbesondere
In der Stoa wird das menschliche Leben streng deterministisch verstanden. Alles, was geschieht, geschieht nach dem Gesetz der Natur, welches das Gesetz Gottes ist. Freilich gibt es auch hier Gebete von großer Kraft und Innigkeit. Ja, es wird geradezu als die Aufgabe des Menschen bezeichnet, daß er sich dem Gesetze der Natur, dem Gesetze Gottes, beugt, weil er Gott im Innern verwandt ist, weil Gott sein Vater ist. Wer bedenkt, daß er ein Sohn Gottes ist, »wie sollte der etwas fürchten, was Menschen ihm anhaben können? Wenn wir mit dem Kaiser verwandt sind oder mit einem der Großen in Rom, so gibt uns das Sicherheit und Stolz und völlige Furchtlosigkeit. Und Gott zum Schöpfer und Vater und Pfleger zu haben, sollte das nicht von Leid und Furcht frei machen?« (Epiktet, Diss. l 9,6f). Epiktet spricht (Diss. l 16,15-21) so zu Gott: »Brauche mich nun, wozu du willst. Ich bin mit dir eines Sinnes; ich bin der Deine. Gegen nichts will ich mich sträuben, was du mir ausersehen hast. Führe mich, wohin du willst, bekleide mich mit einem Gewände, wie du willst. Willst du, daß ich ein Amt führe? Daß ich Privatmann sei? Daß ich in der Heimat bleibe? Daß ich in die Verbannung muß? Daß ich arm, daß ich reich sei? Ich werde dich bei all diesem vor den Menschen bekennen. Eigentlich müssen wir bei allem Tun den Lobgesang Gottes anstimmen: Groß ist Gott, denn er schenkt uns die Werkzeuge, mit denen wir die Erde bebauen. Groß ist Gott, denn er schenkt uns Genießen und Verdauen, Wachsen, ohne daß wir es merken, und Erquickung im Schlafe.« Wer solches begreift, kann alles bejahen, was die Götter senden. »Führe mich, o Zeus, und du, o Schicksal, / zu dem Ziele, das ihr mir verordnet habt. / Ich werde folgen
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ohne
Zaudern. / Wäre ich ein Tor / und wollte es nicht, / ich müßte dennoch folgen«
(Kleanthes: H.v.Arnim,
Stoicorum veterum fragmenta l, Leipzig 1903,
118, 24ff).
Der kaiserliche Schüler Epiktets, Mark
Aurel, geht über seinen Lehrer hinaus und hofft darauf, daß Gott dem Menschen in seiner Bedürftigkeit
die notwendigen Hilfen gewährt, wenn der Mensch sich mit ihm in Einklang
setzt. Ein echtes Gottesverhältnis und eine wirkliche Hoffnung auf Gnade ist jedoch in keiner
Form des Stoizismus möglich, weil Gott
nicht personhaft gedacht wird, sondern immer wieder pantheistische Züge
annimmt.