3. Die Definition der Gnade
So läßt sich sagen: Gnade ist die Selbstmitteilung des dreipersönlichen Gottes an das Geschöpf und die daraus hervorgehende »übernatürliche« Gabe, insofern Gott um Jesu Christi willen im Heiligen Geist und nach dem Urbilde Jesu Christi dem vernunftbegabten Geschöpfe aus Liebe geschenkweise die Teilnahme an seinem dreifaltigen Leben verleiht. In dieser Bestimmung der Gnade verbindet sich das personhafte mit dem sachhaften Moment. Es ist unter den Theologen nicht unbestritten, ob das personhafte Moment der Grund des sachhaften ist oder umgekehrt. Für die hier vertretene Reihenfolge spricht die Tatsache, daß das Geschöpf die Gnadengabe nur empfängt, wenn sich Gott ihm gnädig zuwendet, wenn er sozusagen sein eigenes Selbst dem Menschen anvertraut. Die Selbstschenkung Gottes ist trinitarisch strukturiert: Der Vater gewährt sich durch seinen menschgewordenen Sohn in der Liebe, die der Heilige Geist ist. Dieser verbindet den Menschen mit dem Sohne und so mit Gott dem Vater.
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