Erster Hauptabschnitt
Der Werdeprozeß der Rechtfertigung
1. ABSCHNITT Formale Bestimmungen
/. Kapitel Das gnädige Wirken Gottes
Bevor wir das Problem der Rechtfertigung selbst besprechen, ist eine Rückerinnerung an das bisher Gesagte notwendig, die sich jedoch sogleich zu einem Vorblick auf das noch zu Sagende entwickeln wird. Durch die Kirche und in der Kirche erreicht der Mensch Jesus Christus, den ewigen Gottessohn, den Retter, den Heilbringer und das Heil. Dieses besteht im Frieden mit Gott, zu welchem Christus die Brücke ist, im Frieden des Menschen mit sich selbst und mit den übrigen Menschen und auch mit der Natur, den Tieren, den Pflanzen und den Steinen.
Daß der Mensch auf diesen Weg gelangt und das Heil findet, ist göttliche Gnade. Gott hat sich in vielfältiger Weise gnädig erwiesen. Schon als er in der Erschaffung einer von ihm verschiedenen Wirklichkeit seine Transzendenz gegenüber einer solchen Wirklich-
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keit durchbrach, hat er gnadenvoll gehandelt, insofern die Schöpfungstat eine Tat seiner Huld und Liebe ist. Das andauernde schöpferische Tun, in welchem Gott die der Welt selbst immanenten, vom ihm in sie hineingelegten Kräfte ständig in Bewegung setzt und die Welt als immer tätiger, aber transzendenter, grundloser Urgrund ihrer letzten endgültigen Zukunftsgestalt entgegenführt, erweist Gott bleibende Gnädigkeit.
Darüber hinaus aber hat er sich huldvoll und erbar-mungsreich gezeigt, indem er sich der von ihm abgefallenen und in sich selbst versponnenen Menschheit seit dem Beginn ihrer Geschichte immer wieder schöpferisch zuwandte, um sie auf die Bahn des Friedens zurückzuführen. Diesem Ziele diente in einer besonderen Verdichtung die Bundesschließung Gottes in ihren verschiedenen geschichtlichen Phasen (Noebund, Ab-rahamsbund, Mosebund). Der Ernst der göttlichen Huld offenbarte sich darin, daß Gott dem einmal geschlossenen Bunde treu blieb, ja ihn immer weiter ausbaute, den bundesbrüchig gewordenen menschlichen Bundespartnern immer wieder vergeben und schließlich deren Bund durch die Sendung seines ewigen Sohnes einen endgültigen Charakter eingestiftet hat. In diesem letzten und endgültigen Bund ist er für immer der Herr des Bundes.