5. Verbindung von Friede und Freude
Wenngleich indes das Wort Friede die Wiederversöhnung der Menschen mit Gott bedeutet, so kann es doch auch die Gemütsverfassung der Ruhe und der Geborgenheit bezeichnen. Man darf annehmen, daß sich die Leser und Verfasser der neutestamentlichen Briefe des Friedens, den Gott in Christus stiftete, teilhaftig wußten. Bei den Stellen, wo Paulus oder Johannes oder Petrus vom Frieden sprechen, besteht der Eindruck, daß nicht bloß ein objektiver Sachverhalt, sondern auch der Zustand der Briefleser und der Briefschreiber selbst geschildert wird. Man spürt nichts davon, daß die Absender oder Empfänger der Briefe in der Angst lebten, sie seien von dem durch Christus aufgerichteten Frieden ausgeschlossen. Unüberhörbar wird der von Christus geschaffene Friede als Ruhe des Gewissens im Briefe an die Philipper gekennzeichnet (Phil 4,7): »Der Friede Gottes, der jeglichen Verstand übersteigt, wird eure Herzen und Gedanken bewahren in Christus Jesus« (vgl. Rom 14,17; Joh 14,27; 16,33). Die Grundhaltung des Christusgläubigen ist daher nicht Angst, sondern Freude und Zuversicht. Diese Stimmungen sind allerdings kein unentbehrliches Merkmal der Christusgemeinschaft. Sie können fehlen, ohne daß die Christusverbundenheit selbst fehlt. Gott kann sie entziehen. Dies zeigt sich nirgends so deutlich wie in der Verlassenheit, in welche Jesus kurz vor seinem Hinscheiden, als er schon
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vor dem Tore des ewigen Lebens stand, hineingestoßen wurde (Mt 27,46}. Auf der anderen Seite sind Friede und Freude auch kein absolut sicheres Kennzeichen der Gottverbundenheit; sie können infolge eines eingeschlafenen Gewissens trügerisch sein (Jer 6,14; 8,11).